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A U S T R A L I E N

21.11.2011, 14:30   ---   G’day mate!

Yeeeehaaaa… nach über 5 Jahren habe ich es endlich zurück nach Australien geschafft und es geht direkt dort weiter wo ich damals aufgehört habe: Darwin, die Hauptstadt des Northern Territory! Der Empfang am Flughafen war gewohnt locker, alles ist super modern und gut organisiert, es gibt keine nervig penetranten Taxifahrer... ach ja, und allein die Busfahrt in die Innenstadt kostet so viel wie nen ganzer Tag Unterkunft und Essen in Asien! ;-)
Es hat tatsächlich ein paar Tage gedauert, bis ich wirklich realisiert hatte, wieder zurück zu sein und ich habe es einfach nur unglaublich genossen tagsüber durch die Stadt zu schlendern, altbekanntes wiederzuerkennen, ein paar neue Ecken der Stadt zu erkunden und Meat Pies zu essen. Jede Menge tolle Erinnerungen kamen dabei hoch, selbst einige winzige Nebensächlichkeiten, super witzig. Man gut, das ich nicht direkt nach Sydney oder Perth geflogen bin, das wäre sicherlich viel zu überwältigend gewesen für den Anfang! :-)
Viel verändert hat sich hier nicht in den letzten Jahren… Woolworths hat nen neues Logo, Meat Pies gibt in viel mehr neuen Variationen und die Green Bags gibt’s mittlerweile auch in pink… ansonsten ist alles beim Alten und ich fühle mich pudelwohl! ;-)
Und ganz besonders genieße ich es durch die Stadt laufen zu können ohne automatisch als Ausländer erkannt zu werden, mich in Ruhe in Geschäften umzuschauen und heiß zu duschen! :-) Es gibt saubere Toiletten an allen Ecken, Leitungswasser ist trinkbar, jeder spricht Englisch, Straßenverkehr ist gut organisiert… toll!
Oh und Barack Obama war vor ein paar Tagen hier!! Er hat das Denkmal eines zerbombten US Schiffes aus dem zweiten Weltkrieg besucht, die ganze Stadt war in heller Aufregung und aus ganz Australien wurden Polizisten eingeflogen um auf der Strecke vom Flughafen bis zum Denkmal für seine Sicherheit zu sorgen. Und ja, ich habe ihn gesehen!! Na gut, ganz kurz nur im Vorbeifahren als die riesige Fahrzeugkolonne durch die Stadt zog, aber immerhin! ;-)
Ich hab die letzte Woche bei zwei coolen Couchsurfern gewohnt und hatte ne super Zeit. Das ist einfach viel toller als in Hostels, sie haben mir schöne Ecken von Darwin gezeigt, sind zum Barbecue in ein kleines Naturschutzgebiet gefahren… und morgen geht es weiter! In 3 Wochen ist Familientreff in Melbourne angesagt und ich muss mich langsam mal auf die Socken machen um auch pünktlich anzukommen. So geht es ab morgen zusammen mit zwei anderen deutschen Mädels in den Kakadu Nationalpark (Crocodile Dundee Land :-) ) und von dort aus ins Outback Richtung Alice Springs. Bye bye Zivilisation!! :-)


28.11.2011, 11:00   ---   Sonne, Crocs und kaltes Bier

Nachdem ich diese Ecke beim letzten Mal ja komplett ausgelassen hatte ging es nun endlich auf den klassischen australischen Outback-Trip lang durch die Mitte. Zusammen mit Sabine, Susan und ihren beiden Autos machte ich mich aber erstmal noch auf die Socken in den Kakadu Nationalpark. Seit ich als kleines Kind den Film „Crocodile Dundee“ geliebt habe wollte ich dorthin und als ich dann bei der letzten Reise endlich in Darwin ankam war blöderweise der gesamte Park noch von der letzten Regenzeit überschwemmt und kaum zugänglich. Nun gut, jetzt bin ich direkt in der Regenzeit zurück (ich scheine in der Hinsicht kein besonders gutes Timing zu haben) und somit sind auch jetzt weite Teile des Parks bereits wieder geschlossen… aber zumindest den Rest wollten wir uns ansehen! Kakadu ist eine riesiges Landschaft aus Buschland, Billabongs (Wasserlöcher), Floodplains, Wasserfällen und Felsen mit 20.000 Jahre alten Malereien der Aborigines. Es gibt überall jede Menge Vögel und riesige Krokodile bewohnen die meisten Flüsse, Billabongs und Wasserfall-Pools, somit waren sichere Schwimmgelegenheiten leider Mangelware, was die Hitze und enorme Luftfeuchtigkeit nicht unbedingt erträglicher macht. Aber es war trotzdem toll es endlich dorthin geschafft zu haben und bei Gelegenheit werde ich einfach noch mal einen dritten Versuch in der Trockenzeit starten! ;-)

Dann ging es aber endgültig Richtung Outback und raus aus der tropischen Regenzeit! Der Himmel wurde immer klarer, die Luft trockener, Städte seltener und kleiner, die Pflanzenwelt karger und rote Erde leuchtet durch die trockenen Büsche. Die scheinbar endlose Straße teilt man sich lediglich mit einer handvoll anderer Autos, gigantischen Road Trains und gelegentlichen Kängurus (sowohl quietschlebendig als auch mausetot) und gecampt wird auf kleinen Rastplätzen am Highway. Die Sonnenuntergänge hier draußen sind gigantisch (die Sonnenaufgänge vermutlich ebenfalls, aber wer mich kennt weiß, dass ich zu der Uhrzeit nur schwer wach werde), abends sitzt man mit einem kalten Bier unter dem atemberaubenden Sternenhimmel und wenn nachts nur ein paar Meter vom Zelt entfernt ein Road Train vorbei donnert bebt der gesamte Boden – Willkommen im Outback!
Es gibt unterwegs nicht allzu viel zu sehen, gemessen an den Distanzen, die man so zurücklegt, aber der ein oder andere Stop hat sich doch angeboten. So sind wir in den gar nicht mal so warmen Hot Springs in Mataranka baden gewesen, haben uns mit einem Bier im legendären Outback Pub Daly Waters erfrischt (der älteste Pub des Northen Territory) und waren gestern an den Devil’s Marbles, riesige runde, aufeinandergestapelte Felsblöcke mitten im Nichts.
Mittlerweile trennen uns nur noch knappe 200km von Alice Springs und die Klimaveränderung ist deutlich zu spüren. Die Nächte sind viel kühler als im Norden (nahezu kalt) und die Luft ist plötzlich so trocken, dass unsere Haut unwahrscheinlich trocken ist, so viel kann man gar nicht eincremen!


05.12.2011, 10:20   ---   The Green Centre a.k.a. Red Centre

Plattes Land, Wüste, rote Erde, blauer Himmel, brennende Sonne… das erwartet man wohl bei einer Reise ins Red Centre Australiens. Pustekuchen, alles nur Gerüchte – grün, bewölkt und kalt ist die Wahrheit! :-P
Das Umland von Alice Springs war überraschend bergig und in der kleinen Stadt haben wir uns zuerst einmal eine kleine Roadtrip-Pause gegönnt. Genug Zeit um mal wieder gemütlich nen Kaffee zu trinken, das Nachtleben auszuchecken und meinen Kambodscha-Buddy Stuart zu treffen. Zu dem Zeitpunkt war es auch noch brennend heiß, kein Wölkchen am Himmel und der Pool des Caravan Parks dementsprechend ein Paradies auf Erden!
Danach sind wir weitergefahren in die wunderschönen MacDonnel Ranges, eine Bergkette direkt hinter der Stadt. Die Berge sind durchzogen von tiefen Schluchten, es gibt mehrere erfrischende Wasserlöcher und die roten Felsen stehen im Kontrast zu den weißen Stämmen der Ghost Gum Trees, echt toll!

Und dann war es an der Zeit für die letzten 500km bis zum Uluru (Ayers Rock), dem Wahrzeichen Australiens! Mittlerweile zogen am Himmel mehr und mehr Wolken auf, aber da ahnt man ja noch nichts Böses. Und alles war grün, überall, von wegen rote Wüste und so! Selbst Wildblumen standen in voller Blüte! Insgeheim war ich mir ja fast sicher von diesem Felsen enttäuscht zu sein, weil man einfach so hohe Erwartungen hat… alles Unsinn, es ist dann schon echt beeindruckend ihn aus knapp 50km Entfernung schon zum ersten Mal am Horizont zu erblicken und dann direkt vor dem größten Monolithen der Welt zu stehen!! 348m hoch und ein Umfang von über 9km, einfach gigantisch!! Sogar bei Wolken! ;-) Passend zum Sonnenuntergang standen wir am Aussichtspunkt, aber die Wolken waren mittlerweile so dicht, dass kein Sonnenstrahl mehr hindurch kam und der Uluru dementsprechend leider nicht sein leuchtendes Rot zeigte.
Mitten in der Nacht sind wir dann aufgestanden mit der naiven Hoffnung auf einen schönen Sonnenaufgang. Dieses Mal fuhren wir zur nahegelegenen Felsformation Kata Tjuta (auf Deutsch „viele Köpfe“), aber auch dort wars nix mit dem tollen Farbenspiel. Den Tag haben wir dann noch dort im Nationalpark verbracht und waren so toll vorbereitet für das extreme Klima: Sunblock, nen ordentlicher Hut und sogar ein Fliegennetz fürn Kopf… konnte ja niemand ahnen, dass nen Regenschirm angebrachter wäre! Ja es hat geregnet! In der Wüste! Aber nach einer Anfahrt von 2000km lässt man sich davon natürlich nicht abschrecken und so wurde trotzdem gewandert. Erst ein bisschen durch die Felskuppeln von Kata Tjuta (ehemals die Olgas) und dann logischerweise auch am Uluru. Der Felsen ist eine heilige Stätte der Aborigines des Anangu-Stammes und deshalb bitten sie die Besucher nicht hinauf zu klettern. Aus Angst vor einbrechenden Besucherzahlen kann sich die Parkleitung aber nach wie vor nicht dazu durchringen, den Aufstieg zu verbieten. Es ist also eine Respekts-Frage, die jeder Besucher für sich selbst ausmachen muss. Für mich ein ganz klares No-Go und stattdessen habe ich lieber den Base Walk um den Felsen herum gemacht (abgesehen davon ist der Climb zu dieser Jahreszeit wegen enormer Hitze (haha) und entsprechenden Gesundheitsrisiken gesperrt), auch richtig schön! Aus der Nähe sieht man erst einmal wie zerklüftet der Felsen tatsächlich ist, mit Höhlen, Schluchten und Felsvorsprüngen, es gibt ein paar Felsmalereien und an einigen heiligen Plätzen kann man die dazugehörigen Dreamtime Stories (die Entstehungsgeschichte der Erde) der Aborigines nachlesen.
Ach und wilde Kamele habe ich gesehen, sehr cool, und noch viel besser: einen Thorny Devil. Das ist so eine kleine Echse mit dem ganzen Körper voller Stacheln. Diese und der Frilled-Neck Lizard (der mit dem großen Kragen, habe ich im Kakadu NP gesehen) sind wohl die coolsten Echsen Australiens, kann ich das also auch abhaken. :-) Lediglich die großen Red Kangaroos sind hier seltsamerweise eher spärlich gesät.

Und dann der letzte Stopp bevor wir uns wieder zurück auf den Stuart Highway begaben: Kings Canyon! Die Wolkendecke schien immer dichter zu werden, es war kalt, es wehte ein noch kälterer Wind (es mag durchaus noch etwa 20 Grad gewesen sein, aber wir hatten uns ja gerade an knapp 40 gewöhnt) und der Regen häufte sich (was aber passend zum 2. Advent durchaus mal ein wenig die Weihnachtsstimmung angekurbelt hat)… aber es war trotzdem grandios!! 3 Stunden lang sind wir oben auf der Kante um den Canyon herum gelaufen, durch tolle Felsformationen hindurch, hinunter in den Garden of Eden (eine kleine grüne Oase tief in einer Schlucht) und wieder hinauf auf die Canyon-Kante, richtig schön!
Mittlerweile sind wir zurück auf dem Stuart Highway, haben die Grenze nach South Australia überquert, unsere Uhren eine Stunde vor gestellt und wieder schnurstracks Richtung Süden unterwegs – noch 1200km bis Adelaide!


15.12.2011, 22:00   ---   Rückkehr in die Zivilisation

Die lohnenswerten Zwischenstopps auf der letzten Etappe waren spärlich gesät und so legten wir jeden Tag ordentlich Strecke zurück. Das wiederum heißt aber nicht, dass es langweilig gewesen wäre. Ich glaube an den endlosen Weiten könnte ich mich nie satt sehen und auch die mächtigen Road Trains beeindrucken immer wieder aufs Neue. Und obendrein hat man das Gefühl jeden zu kennen, der auch gerade auf dem Highway unterwegs ist, denn es legt letztendlich jeder an den gleichen Stellen eine Pause ein – so viel Auswahl gibt es da nicht! ;-)
Das Must-See auf der Strecke war ganz klar die kleine Opal-Gräber-Stadt Coober Pedy. Mitten in der australischen Wüste türmen sich plötzlich verschieden farbige, aufgeschüttete Hügel, überall Opalminen, Warnschilder… und mitten drin das kleine verschlafene Städtchen. Die Hitze in Coober Pedy ist enorm und so leben die meisten der immerhin 4000 Einwohner unter der Erde in alten Opalminen, dort ist die Luft konstant kühl.
Kurz vor Erreichen der Südküste Australiens kamen wir plötzlich an einem riesigen Salzsee vorbei, sehr cool. An der Hitze lässt sich natürlich nichts ändern, aber optisch ähnelt es ja immerhin Schnee, was in Kombination mit unseren mit Begeisterung erworbenen Pfeffernüssen der nicht aufkommenden Weihnachtsstimmung wenigstens mal ein kleines bisschen auf die Sprünge geholfen hat. ;-)
Kurz darauf erreichten wir Port Augusta und waren endlich wieder zurück am Meer, die Kontinents-Durchquerung war vollbracht! Die Suche nach einem geeigneten Camp-Spot stellt sich in der Zivilisation allerdings als ein wenig schwieriger heraus. Letztendlich schlugen wir unser Nachtlager in einem winzigen Ort auf, wo wir am nächsten Morgen vermutlich direkt zum Stadtgespräch wurden, nachdem uns so ziemlich jeder Einwohner entdeckt, begrüßt und stolz die lokale Tageszeitung angeboten hatte.
Nach einem kurzen Abstecher durch das hübsche Weinanbaugebiet Clare Valley und der ein oder anderen Weinprobe kamen wir nach insgesamt 2,5 Wochen in Adelaide an. Ich kam in einem tollen Hostel unter, gönnte mir mal wieder leckeres indisches Essen und auch die Stadt selbst fand ich dieses Mal gar nicht mehr so trist und langweilig wie noch vor ein paar Jahren.

Aber dann war es auch schon an der Zeit nach Melbourne aufzubrechen. Dort habe ich noch 2 Tage lang im Vorort St. Kilda verbracht und tolle Wiedersehen mit meinen Freunden Mark, Gary (die beiden habe ich auf meiner ersten Australien-Reise kennengelernt) und Rikki (habe ich in Kapstadt vor nem knappen Jahr getroffen) gehabt, bevor meine Familie anreiste. Montag Morgen bin ich schon ganz früh aufgestanden um schon mein Gepäck in unserem Hotel in der Innenstadt vorbei zu bringen und dann passend zur Landung am Flughafen zu stehen. Eine halbe Ewigkeit habe ich damit verbracht verwirrte, routinierte, obercoole und erwartungsvolle Menschen in der Wartehalle ankommen zu sehen (durchaus Entertainment pur!) bis dann endlich auch Mama, Papa und mein Bruder Sebastian da waren – echt toll nach so langer Zeit!!! :-)
Die ersten Tage haben sie ziemlich mit ihrem Jetlag gekämpft, aber nebenbei habe ich ihnen noch einiges von Melbourne gezeigt. Eines der Highlights war wohl die Aussichtsplattform des Eureka Towers. Als ich das letzte Mal hier war befand er sich noch im Bau, nun ist er das höchste Gebäude Melbournes und bietet einen wahnsinns Ausblick über die Stadt!! Ich war direkt am ersten Tag schon mit Rikki dort oben, aber auch beim zweiten Mal war es nicht weniger beeindruckend. Ach und Papas Cousine, die hier in Melbourne lebt, und ihre Familie haben wir besucht. Ich hatte sie vor 6 Jahren hier kennen gelernt und es war schön alle mal wieder zu sehen, ein richtig schöner Abend!
Mittlerweile sind wir auf der Great Ocean Road unterwegs und leben uns langsam aber sicher in unserem Campervan ein. Gar nicht mal sooo einfach für so Camping-Neulinge… ;-)


26.12.2011, 22:15   ---   Campervaning
10 Tage lang waren wir in unserem gemieteten Campervan unterwegs und während das für meine Verhältnisse eine enorm luxuriöse und komfortable Reisevariante war, schienen die anderen drei doch anfangs ihre liebe Mühe damit zu haben, sich an den eingeschränkten Lebensraum zu gewöhnen. ;-) Aber das wurde von Tag zu Tag besser und mittlerweile fluppt alles wie verrückt!

Von Melbourne aus sind wir aufgebrochen zur Great Ocean Road, die wohl beeindruckendste Küstenroute der Welt. Traumhafte Strände und gigantische Felsformationen (12 Apostles, London Bridge & Co.) – das hab ich mir gern auch noch ein zweites Mal angeschaut. Auf unserem ersten Campingplatz hatten wir auch direkt nen knuddeligen Koala im Baum nebenan und die Papageien waren total handzahm, ein toller Einstieg in die australische Tierwelt!
Aufgrund der aktuellen Blauwal-Saison sind wir der Küste noch bis nach Portland gefolgt, hatten damit aber leider kein Glück. Keinerlei Wale in Sicht, lediglich Kälte und diesiges Wetter. Stattdessen gab es unterwegs aber immerhin Emus, Kängurus und sogar zwei Echidnas (eine australische Igel-Art, ziemlich groß und ganz lange Nase) am Wegesrand, damit können wir uns also nicht beschweren! Um Portland herum haben wir uns noch die einzige australische Festlandskolonie der Gannets (hübsche Seevögel) und einen versteinerten Wald angeschaut und dann war es an der Zeit der Küste vorerst den Rücken zu kehren.
Unser nächstes Ziel war der Grampians Nationalpark. Vor 6 Jahren war ich leider direkt nach einem verheerenden Buschfeuer in der Gegend. Das war ein erschreckender Anblick damals, umso schöner also diese wunderschöne Landschaft nun in strahlendem Grün zu erleben! Wir sind super viel gewandert, auf Berge drauf, zu atemberaubenden Lookouts, den wunderschönen McKenzie Falls… und wir haben Massen an Kängurus gesehen!! Große, kleine, ganz kleine, schlafend, fressend, im Beutel hockend, scheue, neugierige… super niedlich und niemals langweilig!! :-) Selbst unser Campingplatz war mal wieder ein Paradies für Tierliebhaber: Kängurus und Emus teilten sich die grünen Wiesen und die Bäume waren voll von Kookaburras und verschiedenen Papageien-Arten. Abends zum Sonnenuntergang zog dann noch eine absolut unglaubliche Schar Kakadus über uns hinweg, ungelogen tausende von ihnen! Der Lärm war einfach unbeschreiblich!

Damit war die Westrunde unserer Reise beendet und es ging via Melbourne wieder zurück an die Küste. Dabei waren wir uns ganz schnell einig: Melbourne im Auto macht keinen Spaß!!! Aber auch die Herausforderung haben wir gemeistert und fanden uns kurz darauf auf Philipp Island wieder. Die kleine Insel ist bekannt für die riesige Kolonie der weltweit kleinsten Pinguine (33cm groß). Pinguine an sich sind ja schon mal unglaublich drollige Tierchen, aber diese Art hat die besondere Angewohnheit immer erst exakt zum Sonnenuntergang das Meer zu verlassen und zurück in ihre Nester zu watscheln. Und weil das so exakt jeden Tag aufs Neue passiert ist es logischerweise ein riesiger Touristenmagnet und am Strand stehen zwei große Tribünen, die Abend für Abend voll Menschen sind. Insgesamt nicht ungedingt eine Veranstaltung auf die ich besonders abfahren würde, aber ich war überrascht wie toll es dann doch war. Ich glaub diese Pinguin Parade war das mit Abstand niedlichste was ich seit langem gesehen habe, einfach grandios!! Ziemlich genau zum Sonnenuntergang erreichte die erste Pinguin-Gruppe den Strand und man beobachtet wie die kleinen Frackträger erst eine halbe Ewigkeit mit der tosenden Brandung kämpen, geduldig warten bis alle vollzählig sind und dann noch etliche Male wieder allemann ganz hektisch zurück ins Meer rennen, weil sie vor irgendetwas Angst bekommen haben, sooooo witzig!! Irgendwann nehmen sie dann endlich mal all ihren Mut zusammen und watscheln über den Strand an den neugierigen Besuchern vorbei in ihre Nester in den Dünen. Einfach unglaublich niedlich!!
Von da an ging es relativ schnurstracks der Küste entlang Richtung Sydney und wir haben verhältnismäßig wenig Stops eingelegt. Aber der Wilsons Promontory Nationalpark durfte auf keinen Fall ausgelassen werden!! Traumhafte Landschaft und gigantische Strände sind eine super Kombination und der Sand ist so fein, dass er unter den Füßen quietscht! Nur Mama hat es geschafft, sich an dem wohl einzigen Stein am ganzen Strand die Ferse aufzuschlagen. ;-) Ich habe meine Familie mal wieder auf einen Berg gezerrt, dessen Gipfel zwar weiter war als erwartet, aber den Aufwand absolut wert – die Aussicht auf die Küste war gigantisch!!
Und das vermutlich Beste an dem ganzen Nationalpark: Ich habe meinen ersten wilden Wombat gesehen, zwei sogar um genau zu sein!! :-D Wombats sind die wohl coolsten Tiere Australiens, irgendwie eine Mischung zwischen Schwein und Bär und wirken enorm faul und plump, einfach richtig gemütliche Zeitgenossen! ;-)
Weihnachten haben wir in Jervis Bay verbracht und können vom Camper aus das Meer sehen! Echt richtig toll hier, weisser Sandstrand, blaues Wasser, tolle Wellen und gestern war es auch super schön und sonnig! Nicht sehr weihnachtlich natürlich, aber das kann man hier auch nicht erwarten (zumindest nicht als Europäer, der zu Weihnachten Kälte und im besten Fall Schnee gewohnt ist) und stattdessen gab es dann typisch australisch ein leckeres Barbecue und kaltes Bier! ;-)

Und jetzt wo wir uns endlich so gut in unserem Campervan eingelebt haben ist die Zeit auch schon zu Ende. Morgen stehen uns die letzten 200km bis Sydney bevor und ich bin schon ganz kribbelig! Während meines ersten Australien-Jahres habe ich 3 Monate in dieser wunderschönen Stadt gelebt und kann es nun kaum noch erwarten endlich zurück zu kommen!! Und als wär das nicht schon aufregend genug gibt’s dort auch noch mehr Besuch aus Deutschland – meine Cousine Mareike hat sich recht kurzfristig noch entschlossen vorbei zu kommen und sitzt in diesem Moment schon im Flieger nach Down Under! :-)


05.01.2012, 21:00   ---   Wieder „zuhause“

Auf dem letzten Stück bis Sydney stieg meine Aufregung mit jedem Kilometer und ich bin fast geplatzt vor Freude als ich die ersten bekannten Ecken durchs Autofenster an mir vorbeirauschen sah – endlich zurück in meiner alten Heimat! Während meines ersten Australienjahres habe ich mehrere Monate in dieser wunderschönen Stadt gelebt und sie quillt regelrecht über vor tollen Erinnerungen!! Wobei sich aber auch vieles stark verändert hat! Unser damaliges Lieblingsrestaurant Roys gibt es zum Beispiel nicht mehr und mein altes Internetcafe ist jetzt ein Bottle-Shop, aber meine Stammkneipe O’Malleys und das Haus in dem ich mit 2 Freundinnen gewohnt hatte sind noch da. :-)

Eine Woche lang habe ich meiner Familie die tollsten Ecken meiner Traumstadt gezeigt und ich glaube, ich konnte sie ein wenig überzeugen! ;-) Wie könnte es auch anders sein… wir haben gleich um die Ecke vom Botanischen Garten gewohnt und der erste Blick auf das Opernhaus und die Harbour Bridge ist einfach immer wieder aufs Neue absolut beeindruckend!! Meine Orientierung war in null komma nix wieder in Topform und ich habe den anderen ALLES gezeigt! Wir waren im Aquarium, haben den strahlenden Sonnenschein am Darling Harbour genossen, sind über die Harbour Bridge gelaufen, haben Kakadus im Botanischen Garten gefüttert, den atemberaubenden 360° Ausblick vom Sydney Tower genossen, sind durch den gemütlichen alten Stadtteil The Rocks spaziert, haben uns etliche Straßenkünstler angeschaut, waren im prächtigen Queen Victoria Building, haben auf Paddys Market eingekauft, in Chinatown lecker gegessen… eine endlose Liste! Und das Opernhaus stand natürlich auch aus jedem Winkel auf dem Programm, unter anderem von innen. Wir haben dafür eine Tour mitgemacht und konnten so auch mal einen Blick hinter die weißen Muschelschalen dieses einzigartigen Bauwerks werfen. Super interessant, aber ziemlich geradlinig und ganz und gar nicht so extravagant wie die äußere Fassade.
Und Sydneys grandiose Strände durften natürlich auch nicht fehlen! Wir sind zum Coogee Beach gefahren, von dort an der Küste entlang und vorbei an mehreren Stränden zu meinem Favoriten Bronte Beach gelaufen. Da haben wir uns erst einmal in die gewaltigen Wellen gestürzt, in der Sonne gebrutzelt und weiter ging’s bis zum berühmten Bondi Beach.

Einfach nur völlig verrückt war allerdings Silvester! Das Neujahrsfeuerwerk in Sydneys Hafen ist wohl kaum noch zu übertreffen und das wollten wir uns natürlich nicht entgehen lassen! Vor 6 Jahren haben wir dafür ganz entspannt den Tag über im Botanischen Garten gelegen und hatten nachts einen super Blick auf das Lichterspektakel. Mit ganz entspannt war da nun erstmal nicht mehr viel… Als wir am Tor ankamen trauten wir unseren Augen nicht: Menschen so weit das Auge reichte und das Ende der Schlange lange nicht in Sicht! Ich weiß nicht wie viele Kilometer die Schlange lang war… einfach irre! Etwa 3,5 Stunden später waren wir dann am Eingangstor, Mama hat mit ihrem Unschuldsblick ganz locker unseren Alkohol mit hinein geschmuggelt und dann ging es auf die Suche nach einem schönen Plätzchen um später auch einen guten Ausblick zu haben – Pustekuchen!! Etwa 95% der Plätze mit offenem Blick auf das Opernhaus und die Harbour Bridge sind mittlerweile nicht mehr öffentlich zugänglich, sondern werden im Voraus für viel Geld verkauft und die 20.000 Menschen, die in den freien Bereich gelassen werden drängeln sich um die wenigen Stellen mit einigermaßen freier Sicht. Über den Tag hinweg war es soweit noch okay, da man sich über alle Grasflächen verteilt, aber zum Feuerwerk war dann logischerweise Gedränge angesagt… die ganze Veranstaltung war also bei weitem nicht so relaxt und toll wie noch beim letzten Mal, aber das atemberaubende Feuerwerk hat es dennoch wieder rausgerissen!!!
Lol und in diesem Gewühle unter 20.000 Menschen haben wir es geschafft eine Handy-SIM-Karte an einem kleinen Abhang zu verlieren, was uns aber logischerweise erst nachts im Hotel auffiel. Wir also am nächsten Morgen wieder zurück um zu suchen (der eine mehr, der andere weniger optimistisch…) und so verrückt es auch klingen mag: Wir haben sie gefunden! Sachen gibt’s… ;-)

Vor 2 Tagen war aber dann Abschied angesagt, der Familienurlaub war vorbei und Mama, Papa und Sebastian flogen zurück nach Hause. Mareike hatte noch ne gute Woche und wir haben uns in letzter Sekunde noch schnell nen Mietwagen organisiert, mit dem wir nun auf dem Weg nach Byron Bay sind.


15.01.2012, 9:30   ---   Und noch nen Roadtrip…

Jede Menge Zeit ist schon wieder vergangen und mittlerweile ist auch der letzte Besuch wieder abgereist. Aber vorher haben Mareike und ich noch ein wenig die Küste von New South Wales erkundet und hatten ne Menge Spaß! Wir haben uns einen kleinen umgebauten Van gemietet (komplett mit Bett und Campingausrüstung und Kochzeug und so), wild gecampt und ne Menge gesehen. Los ging’s über die Sydney Harbour Bridge aus der Stadt raus, in den Ku-ring-gai Chase Nationalpark und in die hübsch alte Stadt Newcastle. Von dort nach Port Stephens, wo wir vergeblich nach Koalas gesucht haben und weiter durch eine wunderschöne Seen-Landschaft nach Forster und Port Macquarie. Die beiden Städte hatte ich vor ein paar Jahren schon mal besucht, aber die haben sich ja soooo verändert… insbesondere das einst ruhige, verschlafene (langweilige) Forster scheint nun ein beliebtes Urlaubsziel für Australier zu sein. Aber das Koala Hospital in Port Macquarie gibt es noch und ist auch noch immer genauso toll wie ich es in Erinnerung hatte. Dort werden verletzte Koalas (Verkehrsunfälle, Hundeangriffe, Waldbrände…) aufgenommen, gesund gepflegt und wenn möglich wieder in den Busch entlassen. Eine tolle Einrichtung!
Via Coffs Harbour, Ballina und jeder Menge wunderschöner Strände ging es letztendlich nach Byron Bay. Unser absoluter Favorit unter den Stränden war ganz klar Black Head Beach, ein traumhafter weißer Sandstrand, kräftiger Wellengang und an beiden Seiten eingefasst von schroffen, schwarzen Felsen – einfach toll!! Irgendwie einzigartig (wenn auch nicht unbedingt so schön) war Hat Head Beach. Dort mündete ein kleiner Fluss ins Meer, der wohl durch irgendwelche Mineralien eine gelblich bis rostrote Farbe angenommen hat und gar nicht mal sooo gesund aussah… aber ganz cool auf jeden Fall und zumindest mal was anderes! ;-)
Und dann unser bester Schlafplatz, ein wahrer Traum – Coomba Park! Das ist ein winzig kleines Dorf am Rande eines von vielen großen Seen, super ruhig, keine Geschäfte, kaum Straßenverkehr, super nette Bewohner… wir haben unseren Camper direkt am See geparkt, Kängurus hoppelten über die Straße, Pelikane schwammen am Ufer entlang… und plötzlich sah ich 2 Delfinflossen auftauchen! Jup, Delfine! In einem See! Ich hab es direkt in einer Mischung von Begeisterung und Selbstzweifel Mareike erzählt, sie hielt mich offensichtlich für nicht ganz dicht und dem einzigen anwesenden Local traute ich es mich kaum noch zu sagen. Allerdings sind diese Seen eigentlich gar keine richtigen Seen, denn sie sind nicht in sich geschlossen. Sie sind alle miteinander verbunden und münden bei Forster ins Meer, dementsprechend handelt es sich um Salzwasser und so erklären sich auch die Delfine. Und glücklicherweise hat auch Mareike sie noch umher schwimmen gesehen und hält mich nicht mehr für verrückt. ;-)
Und dann waren wir in Byron Bay und ich muss sagen das Auto fahren war selbst in Sydneys Innenstadt angenehmer als dort! Ständig hat man diese übermäßig relaxten Surfer und verplanten Hippies vorm Auto und kommt kein Stück vorwärts ohne sie direkt um zu mähen… Aber dort war unsere Camperzeit ja auch vorbei, der Wagen wurde abgegeben und zu Fuß ist Byron ein cooles, relaxtes Städtchen.

Von dort fuhren wir mit dem Nachtbus nach Sydney, wir haben noch einmal gründlichst Paddy’s Market durchstöbert und dann ging auch schon Mareikes Flieger zurück nach Deutschland. Ich habe nun noch ein paar gemütliche Tage in Sydney verbracht und werde mich gleich aufmachen auf eine Rinder Farm. Dort werde ich im Austausch für Unterkunft und Verpflegung arbeiten, nebenbei ganz entspannt auf eine Antwort von der Einwanderungsbehörde warten (mein letzter Versuch für ein Arbeitsvisum – Daumen drücken!) und wohl auch endlich mal wieder aus Pferd kommen – Jippiiiii!!! :-) So ganz genau weiß ich noch nicht was mich erwartet, aber ich hab da ein gutes Gefühl bei! :-)


16.02.2012, 18:30   ---   Ich bin ein Cowgirl!

Puh… nach über 4 Wochen Stillstand melde ich mich zurück und muss sagen ich hatte eine super Zeit! Einen Monat lang an ein und demselben Ort, ein fantastischer Ort noch dazu, tolle Leute um mich herum, jede Menge Tiere und zu allem Überfluss auch endlich mal wieder auf dem Pferderücken – eine dringendst notwendige Reisepause!!

Der Ort des Geschehens heisst Nowendoc, ein winziges Dorf im Landesinneren von New South Wales. Es besteht aus grob geschätzt 5 Häusern, einer sporadisch besetzten Polizeiwache, einem Tennisplatz und dem winzigen Nowendoc Store, wo man gelegentlich auch mal Benzin kaufen kann. Nowendoc ist tatsächlich so klein, dass es nicht mal eine Kneipe gibt (Australische Kleinstädte haben in der Regel eher ne Kneipe als ne Tankstelle) und der nächste Supermarkt befindet sich im 71km entfernten Örtchen Walcha.
Ich wohne quasi direkt im Zentrum von Nowendoc bei George und seiner englischen Lebensgefährtin Louise, ebenso wie Lou’s Freundin Katie und der italienische Backpacker Franky.

George betreibt 2 Rinderfarmen im Umland, wobei wir eigentlich hauptsächlich auf der größeren von beiden arbeiten. Die sogenannte „Top Station“ erstreckt sich über eine traumhafte grüne Hügellandschaft, umfasst 5000ha Buschland und Weideflächen, ein Fluss und diverse Bäche schlängeln hindurch… wunderschön! Die Farm beherbergt Unmengen australischer Wildtiere. Jede Menge Kängurus und Wallabies hoppeln überall durch die Gegend, Adler kreisen durch die Lüfte, Kookaburras kichern im Baum, Wombats, Echidnas, Opossums, Dingos, diverse Schlangenarten… angeblich auch Koalas und Schnabeltiere, aber die haben sich bisher gut versteckt. Neulich haben George und Franky ein paar Schlangeneier gefunden, die ich direkt völlig begeistert an mich genommen habe! Während ich gespannt darauf gehofft habe, dass sie endlich schlüpfen waren Franky und Katie eher weniger begeistert und letztendlich haben die drei Kleinen es leider doch nicht geschafft. Stattdessen ziehen wir aber seit 3 Wochen 3 Kälbchen (Gobbler, Katie und Monster) mit der Flasche auf, super niedlich!! Und seit ein paar Tagen ist auch noch Nummer 4 (Mokka) mit am Start. :-)
Ansonsten gibt’s dann noch 6 Pferde (Kayak, Lace, Storm, Suva, Zia und Tiny) und ne ganze Horde Hunde: Die verwöhnte Prinzessin Curly, ihre super niedliche kleine Schwester Mo, der coole dude Scar, seine Arbeitspartnerin Sheila, der liebenswürdige verfressene Rottweiler Jazz, der leicht dumme aber zufriedene Boss und das ewig aufgeregte Energiebündel Dot. In einem Schuppen unten am Fluss lebt außerdem noch ein Opossum, das mittlerweile Malcolm getauft wurde, eine Echse im Haus namens Sebastian und last but not least eine Gruppe Frösche, die das Leben im Toilettenspülkasten auf der Farm genießt. ;-) Und natürlich jede Menge Rinder, Kälber und Ochsen plus ein paar Bullen.

Die Arbeit hier ist unglaublich vielseitig! Wir verbringen viel Zeit im Sattel um die Herden einzutreiben oder auf neue Weideflächen zu bringen. Der Trend dabei geht anscheinend im Allgemeinen immer mehr Richtung Autos oder andere motorbetriebenen Fahrzeuge, aber in dieser Landschaft gibt es kaum eine Alternative zum Pferd (maximal noch nen Motorrad zur Unterstützung) und dazu natürlich die Hunde. Das Reiten in diesem Gelände ist ganz was anderes als zuhause, es geht permanent bergauf und bergab, teilweise so steil, dass ich selbst Probleme zu Fuß hätte, dazu dichtes Buschland, Wälder, jede Menge Felsblöcke und umgefallene Baumstämme überall und Flussüberquerungen… definitiv herausfordernd, aber es macht richtig Spaß. Und es ist immer wieder beeindruckend zu sehen wie effektiv die Hunde mitarbeiten um die Herden zusammenzuhalten und vor allem welchen Spaß sie daran haben!
Wenn die Herden eingetrieben sind werden sie durch die Yards getrieben und dort sortiert, geimpft, gezählt, gewogen, medizinisch behandelt… was halt gerade notwendig ist. Ansonsten werden Zäune kontrolliert, repariert und ausgebessert, momentan erweitern wir die Yards, es werden Hundehütten renoviert, Straßen ausgebessert (enorme Regenfälle kürzlich haben ziemliche Schäden hinterlassen)… es gibt immer was zu tun und es ist oftmals echt harte Arbeit, aber es macht Spaß und ich hab sogar schon ein paar Kilos verloren! ;-)

Aber es wird auch nicht nur gearbeitet! Wir waren zum Beispiel beim Country Music Festival in Tamworth, haben uns das Nationale Junioren Rodeo Finale angeschaut, waren bei den Apsley Falls in der Nähe von Walcha, im Kino und zu Besuch bei Georges Eltern in Armidale oder einfach mal für ne ausgiebige Mittagspause am Staudamm auf dem Farmgelände, ein toller Ort zum entspannen, abkühlen und schwimmen!

Ach ja, und dann ist da noch Malcolm (nein, nicht das Opossum in der Hütte ;-) ), der meist gesuchte Verbrecher Australiens! Seit über 6 Jahren versteckt er sich erfolgreich vor der Polizei (er ist soweit ich weiß angeklagt wegen 2-fachen Mordes) und lebt wohl angeblich im Buschland um Nowendoc. Dementsprechend herrscht dort phasenweise ein hochgradiges Polizeiaufkommen. Mit 160 Mann rücken sie dann im kleinen Nowendoc an, besetzten ein riesiges Lager und gehen recht erfolglos auf Verbrecherjagd, ein irres Schauspiel. Besonders amüsant ist es immer wenn sie sich die Hosen mit dickem Klebeband an die Schuhe tapen um sich vor den Horden an Blutegeln im Busch zu schützen und dann doch völlig zerbissen werden, weil die kleinen Biester immer irgendwo ne Lücke finden! ;-) Und da Malcom den Busch offensichtlich tausendmal besser kennt als die Stadt-Sheriffs ist er auch weiter erfolgreich auf der Flucht und wird wohl in Kürze den australischen Rekord in der Flucht vor der Polizei knacken.

Diese Woche haben wir jede Menge Rinder- und Ochsenarbeit gehabt, viel Zeit im Sattel verbracht, ich habe zwischendurch mit Lace versucht ein bisschen Dressur zu reiten (gar nicht so einfach mit einem Ex-Rennpferd, das seit mehreren Jahren Rinder durch den Busch reibt!), die dürren Flaschen-Kälbchen setzen endlich mal ein bisschen Körpermasse an und jetzt wo der matschige Boden langsam trocknet finde ich immer mehr Spaß am Motorrad fahren.
Und als Highlight der Woche haben wir vorgestern einen Ochsen zum Eigenbedarf schlachten lassen. Aufgrund seiner kurzen Beine und einem dicken Bauch trug der arme Bursche schon seit längerem den Namen „Bratwurst“ und nun war es soweit. Ein mobiler Schlachter kam raus gefahren, das Tier wurde direkt auf der Wiese erschossen, mit dem Traktor zur Farm gezogen und dann vor Ort gehäutet und ausgeweidet. Ich war etwas überrascht von mir, dass ich das alles mit ansehen konnte und fand es tatsächlich sogar super interessant! :-)

Ich bin also momentan ein glückliches Cowgirl und habe endlich mal die Gelegenheit an einem tollen Ort ein wenig zur Ruhe zu kommen nach all den Monaten auf Reisen!


06.03.2012, 10:30   ---   Farmleben-Update

Und schon wieder sind knapp 3 Wochen ins Land gestrichen ohne ein Wort von mir… aber so unglaublich viel passiert hier auch einfach momentan nicht. Ich genieße den Alltag! :-)
Ich bemühe mich zur Zeit um ein Arbeitsvisum und musste mich dafür einem allgemeinen Gesundheitscheck und Tuberkulose-Röntgen unterziehen. Das darf natürlich nicht jeder x-beliebige Arzt machen, sondern nur speziell zugelassene Kliniken, die nächstgelegene davon in Sydney. Auch wenn es im ersten Moment etwas ätzend war, so habe ich es doch genossen mal für ein paar Tage hier weg zu kommen, das Stadtleben zu genießen und Menschenmassen um mich zu haben!
Zurück in Nowendoc startete die Arbeit weniger spaßig direkt mit 3 toten Rindern. Ein Nachbar hat sie zufällig gesehen, Todesursache unbekannt und so hatten wir die ehrenvolle Aufgabe die aufgedunsenen, stinkenden Kadaver von der Wiese zu ziehen – es gibt schöneres! Die Arbeit im Sattel ist dagegen aber wieder ein super Ausgleich gewesen! :-)

Lou arbeitet nebenbei ein bisschen als Fotografin und hat mich mitgenommen zum Campdraft in Walcha. Ein Campdraft ist ein Reitwettbewerb, bei dem es darum geht zuerst aus einer Ochengruppe ein Tier abzusondern und von der Gruppe fernzuhalten (Cutting) und dann wird dieser Ochse durch einen Parcours getrieben – alles vom Pferd aus logischerweise. Hat echt Spaß gemacht zuzusehen!

Dann stand Lou’s Geburtstag an, sie hatte noch eine Freundin mit ihrer Mutter zu Besuch und wir haben das gute Wetter genutzt um allemann am Fluss zu campen. Wir haben uns zwei Kängurus für den Grill geschossen, versucht Aale zu angeln, Marshmallows am Lagerfeuer gegrillt, ewig in den sternenklaren Himmel gestarrt… total toll!!

Eine gewisse Herausforderung war die Arbeit mit einer völlig verrücktern Rinderherde. Ernsthaft, die Viecher sind irre! George hat sie erst kürzlich gekauft und da waren sie schon total durch, aber nach etwa nem Monat Ruhe auf einer riesigen grünen Wiese hätte ich erwartet, dass sie sich ein wenig beruhigen… Fehlanzeige! In den Yards hatten Franky und ich das goldene Los die Kälber von den Rindern zu trennen und haben tatsächlich mehr Zeit auf den Absperrungen verbracht, als auf dem Boden, weil die Biester eiskalt auf Menschen losgehen. Der Top-Spruch des Tages kam von George als Franky in letzter Sekunde auf den Zaun sprang: „Sei kein Feigling, ich zeig dir mal wie das geht!“ Und keine Sekunde nachdem er durchs Tor schlich stürmte das Biest auf ihn zu, er sprang grad noch aus dem Weg, das Rind stürmte vorbei und mischte sich unter die Tiere, die schon fertig waren – so geht das also! ;-)

Gestern stand mal wieder Vieharbeit auf dem Programm. Da George das Quad-Bike bevorzugte durfte ich sein Pferd Kayak reiten, hatte mächtig Spaß und kam zum ersten Mal in den „Genuss“ seiner berühmten Buckler. Aber was mich nicht abwirft macht mich nur besser und als alle Stiere durch waren haben wir selbst mal mit ein paar Stieren das Cutting versucht, nachdem wir so oft beim Campdraft zugeschaut haben, sehr cool! :-)

Ansonsten lebt seit ner guten Woche noch eine weitere Backpackerin bei uns (Fleur aus Holland), ich habe mittlerweile meinen Ekel vor Blutegeln überwunden, Louise hat zum ersten Mal ihre junge Stute Tiny geritten, wir haben seit ein paar Tagen ein neues Pferd (die noch etwas unsichere und ängstliche Jess), ich habe einen Koala entdeckt (den ersten den selbst George auf dem Top Station Gelände jemals gesehen hat) und Malcolm ist noch immer auf der Flucht.


15.03.2012, 11:30   ---   Ein bisschen Abwechslung

Letzte Woche sind Louise, Katie, Franky und ich runter gefahren an die Küste um dort ein paar entspannte Tage zu verbringen. Georges Eltern besitzen ein tolles Ferienhaus in der Nähe von Coffs Harbour, wir hatten den Strand quasi für uns allein und das Wetter war toll!
Kurz vorm Wochenende ging es zurück nach Nowendoc, gerade rechtzeitig für die jährliche Walcha Show – ein typisch australisches Landfest mit Rodeo, Reitwettbewerben, Arbeitshunde-Wettbewerben, Hunde-Springen, kleinen Karussels und jeder Menge kleiner Wettbewerbe vom größten Kürbis über die besten Plätzchen bis hin zur feinsten Schafswolle.

Dann war aber auch langsam mal wieder arbeiten angesagt und es stand zur Abwechslung mal wieder Rinderarbeit auf der kleineren Farm an. Die Cattle Yards dort sind allerdings so alt und marode, dass selbst das kleinste Kalb sie auseinander nehmen könnte und deshalb wird dann auf die Yards eines Nachbarn ausgewichen. Der Tag beginnt also damit die Pferde im Truck von der Top Station zu holen, die Rinder und Kälber werden eingetrieben und die etwa 150-Kopf große Herde muss dann gute 3km die Straße entlang in die nachbarlichen Yards getrieben werden – definitiv mal was anderes als nur durch die Paddocks! Und es ist auch nicht irgendeine unbefahrene Hinterlandstraße, sondern die Hauptstraße zwischen Walcha und Gloucester mit entsprechendem Verkehrsaufkommen. Aber mit 4 Reitern, 4 Hunden und 2 Autos ist das eigentlich eine recht sichere Nummer, die meisten Autofahrer sind sehr geduldig und wir sind gut durchgekommen!
Darauf folgte die Arbeit in den Yards, alle Tiere bekamen Vitamine, die Kälber Impfungen, die Jungbullen wurden kastriert und selbst ich habe zum ersten Mal selbst das Messer angelegt! ;-) Aber aus Mitgefühl mit den niedlichen Kleinen überlasse ich das grundsätzlich doch lieber George, der macht das 100 Mal schneller! Stattdessen habe ich lieber Wrestling mit den kleinen Rackern betrieben um sie mit dem Kopf voran in den schmalen Gang zu befördern (irgendwie schaffen sie es doch immer wieder sich dort umzudrehen…) und habe es immerhin geschafft den meisten ihrer flinken Tritte auszuweichen, kaum zu glauben wie viel Kraft die kleinen Biester haben! ;-)
Zu guter Letzt ging es logischerweise wieder den ganzen Weg zurück zur Farm.

Für den nächsten Tag stand eigentlich noch eine weitere Herde auf dem Programm, aber dichter Nebel hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht. Stattdessen haben wir die Zeit genutzt direkt in der Wiese einige schwächere Tiere vom Pferd aus auszusondern (ein bisschen wie das Cutting beim Campdraft, nur mit einer weitaus größeren Herde und ohne die freie Auswahl des Tieres), da diese den weiten Weg zu den Yards möglicherweise nicht schaffen würden und sie dann erschöpft auf der Straße liegen. Diese Tiere haben wir direkt in den alten Yards behandelt, sie haben sie tatsächlich beinahe auseinander genommen und ein schwaches Kalb kam mit nach Hause und ist nun die Nummer 5 mit dem Namen Fleur.

Am Sonntag war es leider für Katie an der Zeit nach Hause zu fahren, sehr schade. Als kleinen Ersatz haben wir seit gestern einen neuen Hund, den niedlichen kleinen Welpen Wing (eine Schwester von Curly und Mo). Malcolm ist weiter auf der Flucht, hat aber offensichtlich ein neues Gewehr irgendwo erbeutet, wir haben zur Abwechslung mal Bäume gepflanzt (normalerweise reißen wir sie nur mit dem Traktor um und machen Feuer) und ich habe mir mit kochendem Wasser ganz gewaltig den Arm verbrannt! Eine höchst schmerzhafte Erfahrung, aber es hat mich immerhin nicht im Gesicht getroffen. Think positiv! ;-)


26.03.2012, 20:30   ---   Farmalltag

10 Tage sind schon wieder vergangen und ich habe noch immer keine Antwort auf mein Arbeitsvisum… das nervt unglaublich! Aber das gab mir mal wieder weitere 10 Tage um das Farmleben in Nowendoc zu genießen. ;-)
Meine Verbrennungen sind mittlerweile schon super getrocknet und fast abgeheilt, Malcolm (Australiens most wanted) wurde nach fast 7 Jahren auf der Flucht etwa 50km von hier gefasst und ich habe alle anderen in einem kleinen Schieß-Wettbewerb auf der Top Station geschlagen.
Der quirlige Welpe Wing hat sich bereits super eingelebt und entwickelt offenbar eine Leidenschaft fürs Schuhe klauen. Und zur Fütterung treibt sie uns immer ganz eifrig die Kälber an den Zaun, offenbar ein echtes Viehtrieb-Naturtalent! ;-)

Die Kälber waren allerdings ein eher trauriges Thema in der letzten Woche… In einem der Paddocks entdeckten wir ein einsames kleines, dürres Kalb ohne Mutter (vermutlich das Kalb einer kürzlich verstorbenen Kuh). Kurzerhand wurde es eingefangen, Dani getauft und mit nach Hause genommen. Sie war so unglaublich klein und zerbrechlich und dünn und ein unglaublich niedliches Ding und auch gleich ungewöhnlich zutraulich. Hat mich keine 5 Minuten gekostet bis sie das erste Mal an der Flasche genuckelt hat und am nächsten Morgen stand sie direkt wieder muhend an der gleichen Stelle. Aber sie war wohl einfach zu klein und unterernährt und ist dann leider nach zwei Tagen gestorben. :-(
Auch Kälbchen Fleur war ein ziemliches auf und ab seit wir sie hergeholt hatten und auch sie hat es am Ende dann doch nicht geschafft.
So ne tote Kuh auf der Wiese find ich ja auch schon traurig, aber die Kälber sind einfach nochmal ne ganz andere Hausnummer. Wenn man sie mit der Flasche aufzieht und sie einem schmatzend das Bein vollsabbern wachsen sie einem halt schon echt ans Herz! ;-)

Eine Erfolgsstory dagegen ist Jess, die neue Stute! Bei unserem ersten Ritt vom Nowendoc Showground nach Hause war sie noch unglaublich unsicher und kribbelig und ist vor so ziemlich jedem Auto weggesprungen. Eine Woche lang hab ich sie nun auf der Farm geritten, sie wurde von Mal zu Mal entspannter und dann stand uns eine ziemliche Gemütsprobe bevor: Ein weiterer Viehtrieb auf der Straße! Ich hatte zwar zwischenzeitlich mal auf der Farm die Gelegenheit genutzt sie ein wenig an Bruce, das Farmauto, zu gewöhnen, aber echter Straßenverkehr ist ja dann doch etwas anderes. Aber zu meiner Überraschung hat sie alles unglaublich gut mitgemacht! Sie schien den Autos zwar nach wie vor nicht zu trauen, aber ist letztendlich nur 2 Mal ein wenig ausgewichen. Einfangen auf der Wiese klappt auch schon viel besser, das Putzen ist noch nen ziemlicher Aufstand, wird aber besser und heute kam sie sogar von ganz allein zu mir als ich am Zaun stand. Hach, ich lieb dieses Pferd!! :-)


02.04.2012, 20:00   ---   Wieder mal ein Update…

Die letzte Woche war ziemlich unspektakulär und ich habe eigentlich kaum etwas zu berichten… Wir haben fleißig Zäune gecheckt, repariert und ausgebessert um einen lange ungenutzen Paddock Rinder-sicher zu machen und jede Menge unnützes Gebüsch totgespritzt. Oh ja, und eine der Rinder-Herden musste in einen anderen Paddock umgetrieben werden, was sich schwieriger gestaltete als erwartet. Ein Teil der Herde hatte bereits den Fluss überquert und sich auf dem dahinter liegenden Paddock ausgebreitet und als Louise und Fleur mit beiden Weideflächen durch waren fehlten immer noch über 40 Tiere. Die darauffolgenden Tage haben wir beide Paddocks erneut durchforstet und auch einen Großteil der fehlenden Kühe und alle Kälber gefunden, aber 13 Kühe sind noch immer spurlos verschwunden. In dieser Landschaft ist es gar nicht so einfach die Viecher zu finden!!
Übers Wochenende waren George und Louise in Melbourne, Franky war mit Unkraut spritzen beschäftigt und Fleur und ich haben Georges Kumpel Rob bei seiner Vieharbeit und einem neuen Zaun geholfen. Rob engagiert für seinen Vietrieb immer zwei professionelle Stockmen, die dann mit eigenen Pferden und Hunden aus Tamworth anreisen und es war echt interessant mit anzusehen, wie die ihre Arbeit machen. Und vor allem wie schnell!
Gestern haben wir Franky zum Bahnhof gebracht, er hat ne Woche Urlaub, und Fleur und ich sind bei schönstem Wetter zur Top Station runter gefahren. Es stand ein Ausritt in den Paddock eines Nachbarn an, um erneut Ausschau nach den noch immer vermissten Rindern zu halten. Die waren leider nirgends zu finden, stattdessen führte uns der Ritt aber auf einen Hügel mit einer gigantischen Aussicht auf das umliegende grüne Hügelpanorama – wunderschön!
Im Anschluss haben wir noch fix einige Ochsen zurück in ihren Paddock getrieben, nachdem sie offensichtlich durch ein offenstehendes Tor ausgebüchst waren, haben die Hunde eine Runde rennen lassen und ab nach Hause, ein ziemlich entspannter Montag!


10.04.2012, 20:40   ---   Ein Visum, ein Daumen und ein Joey

Die letzte Woche war wunderschön sonnig und begann direkt mit einer langersehnten guten Nachricht: Mein Arbeitsvisum wurde genehmigt!!! Die ganze Warterei hatte sich wahnsinnig hingezogen und mich nahezu in den Wahnsinn getrieben, dementsprechend war die Freude echt riesig! Somit darf ich nun ein Jahr lang in Australien bleiben und arbeiten und ich habe vorerst eine wohlverdiente Pause von jeglichen Visums-Angelegenheiten!

Am nächsten Tag habe ich mit Louise und Fleur in den Yards gearbeitet und einer der Ochsen hat nach mir ausgekeilt. Glücklicherweise traf er lediglich ein massives Stahltor, das uns trennte, das sprang allerdings von der Wucht ein Stück zurück und direkt vor meinen Daumen - autsch!!
Als er 5 Tage später immer noch schmerzte und wir ohnehin Franky vom Bahnhof in Gloucester abholen mussten hab ich doch mal die Gelegenheit genutzt beim Krankenhaus vorbei zu schauen. Dort traf ich auf eine deutsche Ärztin (toll aber auch irgendwie seltsam nach 3 Monaten zum ersten Mal wieder von Angesicht zu Angesicht Deutsch zu sprechen), der Daumen stellte sich als angebrochen heraus und man hat mir für die nächsten 3 Wochen ne ätzende Schiene verpasst. Die ist insbesondere bei der Arbeit echt lästig, aber reduziert immerhin die Schmerzen!

Und das niedlichste und gleichzeitig auch traurigste Kapitel dieser Woche war ein hilfloses, kleines Joey (ein Känguru Baby)! George war mit ein paar Kumpels losgezogen um etwas Futter für die Hunde zu schießen und kam mit diesem süßen Zwerg zurück, der sich im Beutel eines der geschossenen Kängurus befand. Es bestand fast nur aus Beinen, die Haut war noch nackt und rosa, schwarze Kulleraugen, schwarze Schlappohren… das klingt hässlich ist aber einfach nur unwahrscheinlich niedlich!!! Von da lebte es in einem zum Känguru-Beutel umfunktionierten Kissenbezug, ich war alle 3-4 Stunden mit füttern, säubern und Haut einölen beschäftigt und habe rund um die Uhr dafür gesorgt dass der kleine Junge es schön warm hat. Er hat eifrig getrunken, gestrullert und geköddelt und wirkte quietschfidel… und letzte Nacht ist er plötzlich gestorben! :-(
Sehr sehr traurig, er war mir schon echt ans Herz gewachsen, aber er war eben auch noch enorm jung, möglicherweise einfach zu jung für eine erfolgreiche Handaufzucht…


20.04.2012, 12:30   ---   Dem Winter entfliehen

Ja, auch in Australien wird es kalt, zumindest im Süden! Nowendoc liegt auf 1000m Höhe, was die ganze Sache noch mal ein wenig frostiger macht und wenn Wolken, Regen und Wind zusammen kommen ist es nahezu eisig! Na gut, nicht wirklich eisig, aber ganz klar zu kalt für mich!! Abgesehen davon war es nach 3 Monaten (mit Abstand die längste Zeit die ich auf dieser Reise an einem Ort verbracht habe) ganz dringend an der Zeit für einen Ortswechsel!
Die letzten 3 Tage stand aber erst noch einmal jede Menge Vieharbeit an! Alle Ochsenherden mussten eingetrieben und gewogen werden und alle die schwer genug waren sollten am Mittwoch zum Verkauf verladen werden. Nach mehreren Tagen Dauerregen war allerdings die Straße zur Top Station enorm aufgeweicht und rutschig und somit bei bestem Willen nicht Truck-tauglich. Und wenn der Truck nicht zu den Ochsen kommen kann müssen die Ochsen eben zum Truck kommen… George, Louise und ich haben dann also fast den gesamten Mittwoch damit verbracht die 150-Kopf starke Herde knapp 10km über einen ziemlich steilen Hügel und durch diverse Paddocks mit Viehherden anderer Farmer bis nach Nowendoc zu treiben, während Franky uns entlang des Weges sporadisch mit Getränken und Essen versorgte.
Und dann war nach 3 fantastischen Monaten an einem tollen Ort, mit tollen Menschen und vielen neuen tollen Erfahrungen Abschied nehmen angesagt… schon seltsam und ein bisschen traurig, aber voller Vorfreude auf das was nun kommen mag!

Über Nacht fuhr ich im Zug nach Brisbane wo ich einen wunderschönen Tag mit Jacinta und Dan verbracht habe. Dan war mein Tauchpartner am Thistlegorm Schiffs-Wrack in Ägypten und die beiden sind erst vor ein paar Monaten von ihrer zweijährigen Weltreise zurückgekehrt. Jacinta hat mich morgens vom Bahnhof abgeholt, wir haben den sonnigen Tag in der Stadt verbracht, abends gab es ein leckeres Barbecue und es war einfach toll sie nach so langer Zeit wieder zu sehen und jede Menge Reise-Erfahrungen auszutauschen.

Und nun sitze ich im Flieger nach Darwin. Dort beginnt nun gerade die Trockenzeit und das ist für mich hoffentlich eine gute Gelegenheit einen Job zu finden und ein bisschen Geld zu verdienen. :-)


24.04.2012, 15:30   ---   Ab in den Busch

Ich habe nun ein paar super Tage in Darwin verbracht, genieße die Hitze und wohne wieder bei meinem Kumpel Greg. Ich hatte einen ganz entspannten Geburtstag mit Kuchen und kaltem Bier, habe den sonnigen Nachmittag an der Waterfront verbracht und abends sind wir noch ein bisschen losgegangen. Nächsten Tag stand ein klassischer Angel-Trip mit Greg und seinem Kumpel John an. John hat ein Boot, damit ging es raus auf den Fluss, der Eski war voll Bier, die Angelhaken dümpelten im Wasser und so sind wir dann schön durch die Mangrovenwälder geschippert. Sehr schön, sehr entspannt und der einzige fette Krebs, der bei mir angebissen hat ist dann im letzten Moment doch noch entkommen. ;-)

Und als ich dann gestern mal mit der Jobsuche begann ging plötzlich alles ganz fix. Morgen geht es schon los, raus ins Outback auf eine Cattle Station und dort werde ich dann etwa 6-8 Wochen lang die Cowboys im Stockcamp bekochen! ;-)
Nicht ganz was mit ursprünglich vorschwebte, mein Wunsch war ja doch eher nen Job als Jillaroo (australisches Cowgirl), aber das Leben ist ja nun mal kein Wunschkonzert und in der Hinsicht ist momentan auch einfach nichts zu bekommen. Und wer weiß, wenn man erstmal nen paar Kontakte knüpft ergibt sich ja vielleicht bei Gelegenheit doch noch etwas.
Also dann auf Wiedersehen Zivilisation! :-)


06.05.2012, 20:00   ---   Direkt ins kalte Wasser

Mein aktuelles Zuhause heißt Auvergne Station und ich fühle mich pudelwohl! Eine Station ist quasi eine Farm, nur eben viiiieeeeel größer!! Auvergne liegt mitten im Nichts! Die nächste Ortschaft nach Osten ist Timber Creek in etwa 50km, besteht aber quasi nur aus einem Roadhouse (ne Raststätte) und nem Pub und darüber hinaus ist die nächste Zivilisation in Katherine (330km). Nach Westen hin sind es etwa 180 km nach Kununurra in Western Australia und geradewegs nach Süden würde man für die nächsten gut 3000 km keine geteerte Straße kreuzen. Alle zwei Wochen werden frische Lebensmittel angeliefert, jeden Freitag kommt das Postflugzeug… dagegen ist Nowendoc hochgradige Zivilisation! Auvergne umfasst eine Fläche von 4.142 km² und weidet bis zu 35.000 Rinder für den Lebend-Export nach Indonesien. Dagegen wirkt Georges Farm in Nowendoc unglaublich winzig… auch landschaftlich ein echter Kontrast, anstatt grüner Hügel ist hier alles absolut flach, im Norden erstreckt sich eine entfernte Bergkette und die Vegetation ist ziemlich trocken und dürre. Vereinzelt gibt es ein paar Flüsse, Bäche und Billabongs (Wasserlöcher), die in der Hitze unweigerlich zum Baden einladen, wären da nicht die Krokodile… Ich hab bisher noch keins gesichtet, aber hier ist definitiv ihr Territorium und ich werde es sicherlich nicht drauf anlegen. ;-) Weil hier alles so unglaublich flach ist braucht man zum Viehtrieb anders als in Nowendoc keine Hunde, stattdessen aber Helikopter aufgrund der Weitläufigkeit. Die Helis treiben hier also die Herden zusammen, werden am Boden von einem Motorradfahrer unterstützt und erst dann übernehmen die Reiter die Herde um sie zu den entsprechenden Yards zu leiten. So viel zur Theorie der Rinderarbeit hier oben. Live habe ich davon noch nichts mitbekommen und das wird ja auch leider gar nicht meine Aufgabe sein.

Mein Job besteht darin, das Stockcamp zu bekochen. Weil ja hier alles so riesig ist gibt es auf der gesamten Fläche etliche verschiedene Cattle Yards (das sind massive Stahlkonstruktionen mit vielen separaten Flächen wo die Rinder relativ gefahrlos behandelt werden können, natürlich ebenfalls alles viel größer als bei George) und die wiederum sind zum Teil so weit von der Station entfernt, dass es keinen Sinn machen würde täglich dort raus zu fahren. Demzufolge wird also für die Dauer der Arbeit direkt an den jeweiligen Yards gecampt. Als ich den Job zugesagt habe hatte ich ja gar nicht so eine exakte Vorstellung was mich erwarten würde. Auf der Station angekommen gab es direkt eine Arbeitseinführung im Eiltempo von der wunderbaren Station-Köchin Robyn, ich lernte dass die Herrschaften 4 deftige Mahlzeiten pro Tag verdrücken und direkt am nächsten Tag sollte es schon raus gehen aufs erste Camp – da ging mir doch ganz unsanft der Hintern auf Grundeis! Seit 1,5 Jahren habe ich so ziemlich in keiner Küche gestanden und auch davor war ich ja nicht unbedingt die Granate am Herd… aber das Leben wäre ja langweilig ohne gelegentliche Herausforderungen! ;-)

So ging es also am nächsten Tag los, gemeinsam mit 7 Jackaroos und Jillaroos (die australische Bezeichnung für Cowboys bzw. Cowgirls – Hannah, Emily, Holly, Joe, Sam, Obi, Cassius und Scott) und Head Stockman Mark (der Chef der Bande). Es begann etwas holprig damit, dass wir mit dem LKW im Schlamm stecken geblieben sind und auf Hilfe von der Station warten mussten, haben aber unterwegs dafür ein paar Dingos gesehen. Ich war aber wohl die einzige, die sich über den Anblick freute, Mark zückte stattdessen ohne zu zögern das Gewehr, da die wilden Hunde Kälber reissen und demzufolge logischerweise enorm unbeliebt sind. Im Camp versorgt uns ein Generator 24/7 mit Strom, wir haben einen zur Küche umfunktionierten Caravan und schlafen in Swags (eine robuste Canvas-Hülle mit einer Matratze drin) unter der kristallklaren Milchstraße.
Als ich das erste Abendessen hinter mir hatte und es allen auch offensichtlich geschmeckt hatte wurde ich direkt ein wenig entspannter und von da an improvisierte ich mich erfolgreich von einer Mahlzeit zur nächsten. Zwischendurch habe ich fleißig Kekse und Kuchen gebacken, das Camp sauber gehalten, meine Küche auf Vordermann gebracht (die war zum ersten Mal seit dem Ende der letzten Saison wieder in Gebrauch und entsprechend siffig!), die täglichen gigantischen Sonnenauf- und Untergänge genossen und war doch überrascht wie gut mir die ganze Nummer gefallen hat!

Nach 5 Tagen ging es auch schon wieder zurück auf die Station und ich hatte Gelegenheit mich erstmals ein wenig einzuleben und alles kennenzulernen und zur Abwechslung ging es auch arbeitstechnisch raus aus der Küche. Einen Vormittag lang durfte ich dem Pferdezahnarzt assistieren. Er schien total gerne alles zu erklären, super interessant und ich durfte auch selbst vorher und nachher im Pferdemaul rumtasten um den Unterschied zu fühlen. Und es sieht super ulkig aus wenn nen Pferd halb narkotisiert ist und ganz wackelig auf den Beinen wird, wie besoffen! :-P
Und als wir damit durch waren hat Station-Manager Squirrel mich mitgenommen in die Cattle Yards um dort zu helfen und ich habe zum ersten Mal die Geburt eines Kalbs gesehen, voll toll! Hier wird in nem ganz anderen Tempo gearbeitet als in Nowendoc, aber es macht Spaß! Nur die Rinder hier sind absolut Angst einflößend!! Sie sehen nur selten in ihrem Leben Menschen und sind zum Teil richtig aggressiv in den Yards. Scotty hatte nur einmal nicht richtig aufgepasst und flog im hohen Bogen durch die Luft, die sind verrückt!!

Morgen geht’s auch schon wieder los aufs nächste Camp, dieses Mal vermutlich direkt für etwa 4 Wochen und ich sehe der ganzen Sache nun schon viel entspannter entgegen! :-)


27.05.2012, 15:00   ---   Camp Routine

3 Wochen Camp liegen bereits hinter mir und alles läuft mittlerweile voll routiniert und ich habe doch einen echt entspannten Job.
Ich stehe im Normalfall gegen 5:30 auf um für 6 Uhr Frühstück fertig zu haben (gelegentlich aber auch noch früher) und das ist wohl auch der für mich härteste Teil des Tages, ich bin halt einfach kein Frühaufsteher und werde auch niemals einer werden. Dazu kommt dass die Nächte hier eisig kalt sind (Ich schlafe mit langer Hose und langem Shirt, Fleecejacke, Schal und eingewickelt in eine dünne Decke und meinen Schlafsack!!!) und das macht das Aufstehen nicht unbedingt einfacher. Nach dem ein oder anderen Kaffee zum wach werden und aufwärmen wird’s aber schon besser und in null komma nix sind auch schon alle weg zur Arbeit und das Camp ist leer. Für mich ist es damit an der Zeit das Frühstück aufzuräumen, den täglichen Abfall zu verbrennen (am Feuer kann man sich auch immer noch mal schön aufwärmen) und darauf zu warten, dass endlich die Sonne raus kommt. Meist gehe ich um die Zeit direkt ne Runde joggen (ich hab ja doch noch bissl Angst meine gerade verlorenen Kilos wieder drauf zu bekommen ;-) ) oder unter Umständen auch einfach noch mal nen Stündchen ins Bett. Gegen halb zehn steht dann die ganze Bande schon wieder zur „Smoko“ (Frühstückspause) auf der Matte, wo es immer Toasties und Kekse, manchmal Kuchen gibt. Den Vormittag verbringe ich oft mit Backen und koche nebenbei für halb eins Mittag. Bis dahin geht die Zeit immer noch ganz gut rum, aber dann kommt der lange Nachmittag! Die Sonne brennt um die Zeit, mein Joggen kann ich also nicht dorthin schieben und bei der Hitze ist backen auch keine tolle Idee, das macht die ganze Nummer nur noch heisser. Stattdessen vertreibe ich mir also die Zeit mit Lesen, relaxen, an meiner Bräune arbeiten… und gelegentlich gehe ich mal rüber zu den Yards und schaue ob ich irgendwo helfen kann.

Richtig lang sind die Tage allerdings wenn die ganze Truppe unterwegs ist zum Rinder treiben. Das bedeutet für mich morgens Lunch für alle zusammenzupacken, was sie dann unterwegs essen können und danach bin ich den gesamten Tag allein, bis sie zum Abendessen wieder kommen. Da wird es dann schon auch echt langweilig!! Aber zum Glück gibt es da ja noch Decker. :-) Decker ist der 4 Monate alte Beagle-Kelpie Welpe von Hugh (einem der Heli-Piloten) und hat sich mittlerweile zum Camp-Hund entwickelt. Hugh hatte ihn im ersten Camp mal mitgebracht, weil er selbst öfters bei uns hier draußen bleibt, und ihn dann hier gelassen. Seitdem leistet er mir Gesellschaft, begleitet mich auf Schritt und Tritt und erfreut sich daran Pferde und Rinder zu scheuchen und Socken und Schuhe zu klauen.
Zwischenzeitlich hatte Decker auch noch eine vierbeinige Freundin – das verwaiste Kälbchen Blink. Das süße kleine Ding war nur ein paar Tage alt als es hier ankam, wir haben es mit der Flasche gefüttert, nachts trug es eines von Marks Shirts gegen die Kälte und Decker hat es ständig liebevoll abgeleckt von Kopf bis Fuß. Meine größte Sorge waren ja die Dingos (man hört sie nachts oft heulen und dem Lärm nach scheinen sie manchmal echt beänstigend nahe zu sein!), aber letztendlich ist Blink krank geworden und gestorben. :-(

Aber trotz all der Routine gibt es doch hin und wieder ein wenig Abwechslung. Als ich mal wieder einen Nachmittag etwas gelangweilt im Camp saß kam Hugh vorbei und hat mich ne Runde in seinem Heli mitgenommen, so cool!!! Wir sind zu den Yards geflogen und haben den anderen geholfen die Herde dort hinein zu treiben. Das hat super Spaß gemacht und die Aussicht von dort oben ist einfach gigantisch!!
Nen anderen Tag kamen Squirrel und Clyde (der Ehemann von Köchin Robyn) hier vorbei auf dem Weg ne Kuh für die Truhe zu schießen. Squirrel fragte noch ob ich schon mal ne Kuh gehäutet hätte und im selben Moment hatte ich auch schon nen Messer in der Hand – jupp, jetzt ja! Noch vor einem Jahr hätte ich nicht geglaubt, dass ich mich dazu jemals überwinden könnte, aber mittlerweile macht mir das echt nichts mehr aus.

Und gestern hatte ich dann noch die Gelegenheit den gesamten Vormittag in nem Road Train durch die Gegend zu cruisen. Nicht einfach nur nen Truck, nen echtes Monstrum!! Hier mussten etliche Rinder transportiert werden und als Trucker Sam auf nen Kaffee bei mir im Camp saß hab ich ihn gefragt ob ich bei Gelegenheit mal nen Blick in seinen Truck werfen dürfte. Da meinte er ich könne ja einfach am nächsten Tag meine Leute hungern lassen und mit ihm mitfahren… das habe ich in dem Moment in keinster Weise ernst genommen, doch am nächsten Morgen stand er mit nem voll beladenen Truck wieder auf der Matte, sagte Mark wüsste Bescheid und gegen Mittag sind wir zurück!! Ich hab dann schnell noch Smoko vorbereitet und schon saß ich in einem der größten Trucks der Welt! 52 m Länge misst das gesamte Geschoss (da verpasst man besser keine Abfahrt, denn wenden ist eher problematisch!) und bis sich die 140t Gesamtgewicht in Bewegung setzen und Sam sich durch seine 18 Gänge geschaltet vergeht ne ganze Weile. Und dann donnert man über den endlosen Highway und alles andere wirkt so unglaublich klein!! In den Yards einer anderen Station nahe der WA Grenze haben wir dann die etwa 300 Rinder abgeladen und es ging wieder zurück. :-)

Heute sollte eigentlich unser letzter Tag im Camp sein, aber die Pläne haben sich kurzfristig mal wieder geändert und wir müssen noch ne knappe Woche dran hängen… So schön das auch alles ist hier draußen, irgendwann freut man sich echt nur noch auf so einfache Dinge wie ne Toilette, nen Bett und nen kaltes Bier!! Aber zumindest dürfen wir morgen einen Tag frei machen. Heut Abend geht es also zurück auf die Station und dann am Dienstag Morgen wieder raus aufs Camp bis zum Wochenende.


10.06.2012, 14:00   ---   Raus aus der Küche

Nach fast 4 Wochen auf Camp waren wir alle super froh endlich wieder zur Station zurück zu kehren und es stand direkt das Kimberley Moon vor der Tür, ein Musikfestival in Kununurra. Country Music ist zwar normalerweise nicht ganz meins und dementsprechend sagten mir auch die Headliner Paul Kelly und Kasey Chambers nichts. Aber war trotzdem nen super Abend mit der ganzen Truppe!! Danach haben wir ne gute Woche auf der Station verbracht und da ich hier in der Küche nicht gebraucht werde war ich ausnahmsweise Jilleroo. Direkt am ersten Tag durfte ich beim Viehtrieb mitreiten, besser konnte es wohl gar nicht losgehen!! :-) Darauf standen mehrere Tage in den Yards an, ich musste mir währenddessen um meine tägliche Sporteinheit keine Sorgen mehr machen, habe den übelsten Rinder-Tritt direkt unters Knie abbekommen und habe zum ersten Mal Impfungen gespritzt und Kälbern Brandzeichen verpasst.

Die letzten 3 Tage habe ich mich dem Kälberschutz durch Dingo-Vernichtung gewidmet. Mit allemann haben wir 4 Bullen geschossen und in Bierdosen große Stücke zerlegt (kaum zu glauben, dass ich tatsächlich mittlerweile zu solchen Dingen in der Lage bin!), diese knapp 2000 Fleischbrocken wurden mit einem Gift gespritzt und dann hatte ich das Vergnügen sie zusammen mit Squirrel von seinem Flugzeug aus übers Land zu verstreuen. Alle anderen hier schienen ziemliche Panik davor zu haben das machen zu müssen, aber ich hab mich gefreut und hatte nen super Tag!!! Das Fleisch war erst nen knappen Tag alt und hat dementsprechend kaum gerochen. So saß ich also dort neben der abmontierten Tür, habe die unglaubliche Landschaft genossen, ne Menge Krokodile sonnten sich am Fluss und nebenbei habe ich die Köder ausm Flugzeug geworfen – ich könnte mir schlechtere Jobs vorstellen! Selbst Squirrels Versuche mich mit Schlangenlinien und scharfen Wendungen schwindelig zu fliegen konnten den Spaß nicht trüben! ;-)
Zwischendurch haben wir noch ein paar Road Trains beladen (erinnert bissl wie an meine Arbeit zu hause, nur mit dem Unterschied dass die Trucks größer sind und die Ladung selbst läuft) und am nächsten Morgen sind wir direkt bei Sonnenaufgang wieder losgeflogen, gigantisch schön! Aber die Gift-Köder haben auch dunkle Seiten… Squirrels Hund Red hat offensichtlich irgendwo einen Happen erhascht, oder winzige Fetzen vom Flugzeug abgeleckt und ist daran gestorben. So traurig! :-(

Momentan bin ich für zwei Tage zurück in der Küche um Robyn ein paar freie Tage zu ermöglichen und dann steht auch schon das nächste Camp an – zurück in die Wildnis!


28.06.2012, 12:00   ---   Genug gekocht!

Und ab ging es wieder aufs Camp – mein Letztes – und das vor allem auch mal wieder an einem neuen Ort! Dort wurde dann mal wieder gekocht und gebacken was das Zeug hielt, die echt schöne Landschaft erkundet und nachts wachte man regelmäßig von durchs Camp rennenden Rindern auf. Ich hatte mein Quartier geschickterweise genau zwischen zwei von deren Trampelpfaden aufgeschlagen und stand dann echt teilweise senkrecht im Bett vor Schreck! ;-)
Das ein oder andere Mal habe ich dann noch die Gelegenheit genutzt in den Yards zu helfen und beim Vieh treiben mitzureiten, wir haben erfolgreich ohne Wasser einen Buschbrand gebändigt und ruck zuck war die Zeit vorbei.

Wahnsinn wie rasant diese 2 Monate auf Auvergne Station vergangen sind!! Ich hatte eine grandiose Zeit mit unbeschreiblichen Erfahrungen und Eindrücken, umgeben von tollen Leuten und habe wohl mehr Sonnenaufgänge gesehen als zuvor in meinem ganzen Leben. ;-) Da fiel der Abschied wirklich nicht leicht!!
Mit dem Bus ging es für einen Tag wieder zurück nach Darwin und nun bin ich auf dem Weg zu einem vertrauten und doch ganz neuen Reiseziel: Zuhause!! :-D In einer Woche steht die Hochzeit eines guten und langjährigen Freundes an und das habe ich kurzerhand zum Anlass genommen Familie und Freunde nach langer Zeit mal wieder zu sehen – Überraschung!!! :-) Eine gefühlte Ewigkeit habe ich nun schon im Flugzeug verbracht und befinde mich nun endlich auf der letzten Etappe nach Düsseldorf. Jetzt noch fix nen letzten Film gucken und dann bin ich auch schon fast da, ich kann es kaum erwarten!!! :-D  

     

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