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K A M B O D S C H A

08.07.2011, 16:30   ---   Wieder einmal alles neu

Neue Sprache, neue Währung, neues Essen… willkommen in Kambodscha! Nun gut, das Essen ist dem Rest Südostasiens schon noch recht ähnlich. Der Straßenverkehr ist wieder viel entspannter als in Vietnam, sprachlich fang ich mal wieder bei null an, die Schriftzeichen sind für unser eins genauso unleserlich wie auch sonst überall in Asien und die Währung… Tja, das ist ein Mix aus US-Dollar und den einheimischen Riel. Ich versteh gar nicht warum es bei uns so ein Problem mit der Doppelwährung zur Zeit der Euro-Umstellung war… hier ist das absoluter Alltag!

Von der Grenze aus bin ich lediglich bis ins knapp 40km entfernte Kampot gefahren um mich erstmal in Ruhe an Land und Leute zu gewöhnen – definitiv eine gute Wahl! Die Kambodschaner erinnern mich sehr an die Laoten, super nette Menschen und fröhliche Kinder! Und Kampot ist auch toll!! Eine gemütliche Kleinstadt voll französischer Kolonialarchitektur. Teilweise sind die Gebäude ganz gewaltig heruntergekommen, aber an anderen Stellen auch wieder toll restauriert. Bei einer kleinen Erkundungs-Tour mit nem Moped bin ich ins benachbarte Kep gefahren, im Kep-Nationalpark gewandert (merke: wandern in festen Schuhen ohne Socken gibt Blasen = schlechte Idee!!) und habe fantastischen frischen Fisch am Crab Market gegessen bevor es dem Sonnenuntergang entgegen wieder zurück ging.

Zusammen mit 3 anderen Reisenden – Hannah, Jean-Marie und Stuart (Jean-Marie und ich sind uns einig, dass er eine enorme Ähnlichkeit mit Til Schweiger hat!) – bin ich dann nach Sihanoukville gefahren, ein eher charakterloser Strandort und Backpacker-Hochburg. Hat uns irgendwie gar nicht zugesagt und so brachen wir am nächsten Morgen direkt auf nach Koh Kong. Jetzt in diesem Moment sollte ich eigentlich durch die Cardamom Mountains wandern, einer der noch unberührtesten Regenwälder Südost-Asiens… Stattdessen verbringe ich den Tag im Bett um eine Lebensmittelvergiftung auszukurieren! Mir war gestern schon den ganzen Tag schwindelig und speiübel und die halbe Nacht hab ich vor Magenkrämpfen kein Auge zugemacht, da war an wandern nicht zu denken! :-(


14.07.2011, 18:30   ---   Chillax

Nach einem langen Tag im Bett mit viel Schlaf, Schmerzmitteln und Null-Diät ging es mit mir glücklicherweise schnell wieder bergauf, als die anderen am nächsten Tag aus dem Dschungel zurück kamen war ich schon annähernd wieder topfit und schien auch sogar gar nicht so ganz viel verpasst zu haben… abgesehen von einer wundeschönen grünen Python. Hannah musste leider direkt schon abreisen und Jean-Marie, Stuart und ich saßen die nächsten 2 Tage ein wenig im Regenloch fest… Chillax ist das Zauberwort und mit Filmen, miesem Fernsehen und jeder Menge Pringles und Oreo bekommt man die Tage schon irgendwie rum. Als es endlich wieder trocken war haben wir noch nen Ausflug in den Mangrovenwald um Koh Kong gemacht und dann ging es weiter.

12 Stunden im Bus bis nach Battambang erwarteten uns!! Wir hatten uns das halb so wild vorgestellt… Beim Ticketkauf versicherte man uns, dass unsere Sitzplätze in der letzten Reihe seien und wir so alle drei nebeneinander sitzen könnten und wir stellten uns darauf ein, den ganzen Tag munter Filme auf meinem Netbook zu schauen… Pustekuchen!! Der Tickettyp hatte sich offensichtlich mit den Sitznummern vertan und wir saßen logischerweise nicht nebeneinander und als 5 Minuten nach Abfahrt in voller Lautstärke die altbekannte Karaoke-DVD aufgelegt wurde war es auch mit dem Filme schauen vorbei. ;-)
In Battambang haben wir uns zur Erholung ein ziemlich fesches Hotel gegönnt und am nächsten Tag mal wieder mit Motorrollern die Umgebung erkundet. Tempel, kleine Dörfer, glückliche Kinder, matschige Straßen… den Bambus-Zug (die ultimative Touristenattraktion) haben wir ausgelassen und ansonsten hatte die Stadt für uns nicht wirklich viel zu bieten – also weiter! :-)

Mit dem Boot sollte es als nächstes den Tonlé Sap Fluss hinauf nach Siem Reap gehen, angeblich die schönste Bootstour in Kambodscha. Nunja, schön vielleicht, aber von komfortabel hat niemand gesprochen! ;-) Wir hatten also null Ahnung was uns erwartet und waren doch recht überrascht als wir vor einem kleinen Boot standen, das nicht mal so wirklich seetauglich aussah… aber gut, es war ja nur ne Flussfahrt und im Notfall kann man da locker zum nächsten Ufer schwimmen! Die Einheimischen hatten mittlerweile auch schon sämtliche Plätze drinnen eingenommen und anstatt uns dort noch irgendwie dazwischen zu quetschen (es war dort ohnehin laut und stinkig!) drapierten wir das Gepäck auf dem Dach zur Rückenlehne und machten es uns mit einigen anderen Backpackern dort oben „bequem“. Und siehe da: Es war tatsächlich eine tolle Fahrt!! 8 Stunden lang schipperten wir bei strahlendem Sonnenschein Richtung Siem Reap, schlängelten uns durch wunderschöne grüne Landschaften, verloren zwischendurch mal kurzfristig unseren Steuermann an die braune Brühe des Flusses und winkten all den begeisterten Kindern am Ufer bis unsere Arme ermüdeten. Und wir sind durch ganz viele schwimmende Dörfer geschippert – toll!! Die Häuser sind quasi auf Floßen erbaut und scheinen einfach nur aneinander befestigt zu sein oder so, damit sie nicht wegtreiben. Wohnhäuser, Geschäfte, Tankstellen (für die Boote logischerweise), Polizeireviere… alles schwimmt, total cool!
War also trotz anfänglicher Skepsis ein toller und entspannter Tag, ich würde beim nächsten Mal lediglich drauf achten die Sonnecreme in greifbarer Nähe zu haben – nach 8 Stunden musste ich leider feststellen mir den Sonnenbrand meines Lebens eingefangen zu haben!!! Autsch…


19.07.2011, 17:00   ---   Ausgetempelt

Siem Reap ist der Ausgangspunkt zu den Tempeln von Ankor, eines der großen Highlights jeder Südost-Asien-Reise! Bei Weitem am bekanntesten ist Ankor Wat, die größte Tempelanlage der Region, und für die Khmer so bedeutend, dass die Silhouette sogar auf der Nationalflagge und Geldscheinen abgebildet ist.
Hochmotiviert nach all der Faulenzerei beschlossen Stuart und ich uns Fahrräder zu mieten und gemütlich die ca. 10-20 km entfernten Tempel abzuradeln. Den Sonnenaufgang am ersten Tag hatten wir geschickterweise schon verpennt (dafür reichte die Motivation offensichtlich noch nicht, wurde aber nachgeholt!), aber muss ja nicht alles auf einmal sein. Wir haben uns einen 3-Tages-Pass gekauft und konnten es also ganz entspannt angehen lassen. Und als wir so gemütlich Richtung Tempel radelten wunderte ich mich doch ein wenig über all die Polizisten am Straßenrand… durchaus ein wenig übertrieben für so ein paar alte Ruinen. ;-) Irgendwann wurde der gesamte Verkehr an den Straßenrand gewunken, niemand schien so richtig zu wissen was los ist (also wir jedenfalls schon mal gar nicht) und gemeinsam mit ein paar Moto-Fahrern wuselten wir uns erstmal an den Autos und Polizisten vorbei und fuhren munter weiter. Doch beim übernächsten Polizisten mussten auch wir endgültig anhalten und man erklärte uns der König käme. Nun gut, warten wir eben auf den König, passiert ja auch nicht alle Tage! Und Tatsache: 5 Minuten später kam ne Kolonne aus großen schwarzen Nobelkarossen angefahren und wer saß im Auto Nummer 2? Genau – der König! Er streckte den Kopf aus dem Fenster, winkte wie wild und freute sich wie ein kleines Kind, witziger Typ irgendwie! :-D
Dann war aber endgültig Tempelzeit angesagt!! Ankor Wat war in erster Linie mal völligst überlaufen! Vor der Tür wird man von Händlern und Guides belästigt, drinnen trampelt man sich mit tausenden anderen Besuchern gegenseitig auf die Füße und der Anblick des Tempels wird von Baugerüsten verschandelt. Es ist natürlich ein tolles Gefühl vor diesem wahrhaftig beeindruckenden Bauwerk zu stehen, dass man schon auf so vielen Bildern gesehen hat, aber es fehlt leider einfach die ruhige Tempel-Atmosphäre. Da haben mir viele der anderen Tempel weitaus besser gefallen und jeder war in irgendeiner Weise einzigartig und unterschied sich von den anderen. Ankor Thom hat die größte Fläche, besteht aber hauptsächlich aus Wald, im Bayon wird man in jedem Winkel von hunderten gemeißelten Gesichtern angestarrt und für Ta Keo kraxelt man schier endlose steile Treppen hinauf. Besonders die kleineren Tempel waren reinste Oasen der Ruhe, dort war teilweise keine Menschenseele.
Unser persönlicher Favorit war jedoch Ta Prom. Es scheint, dass die Bäume diesen Tempel eingenommen haben, sie wachsen unaufhaltbar über die Ruinen hinweg, alles ist moosig grün überwachsen und in vielen verwinkelten Ecken begegnet man nur selten anderen Besuchern – irgendwie eine ganz faszinierende, mystische Atmosphäre!
Ich muss allerdings gestehen, dass die Motivation des ersten Tages nicht lange angehalten hat und wir danach doch lieber vom Fahrrad auf Tuk-Tuk umgestiegen sind! ;-)

Ganz nebenbei hat sich mein Sonnenbrand übrigens noch weitaus schlimmer entwickelt als erwartet, meine Stirn und Nase fallen regelrecht auseinander… Tag 1: Krebsrot. Tag 2: Braun und knusprig wie ein Brathähnchen. Tag 3: Die braune Haut fängt an zu bröckeln, platzt auf, blutet, lässt sich in großen Flatschen abziehen, da drunter wieder krebsrot. Mein Gesicht ist ein kurioses Muster aus rot und braun, nicht zu vergessen die weißen Ringe um die Augen von meiner XXL-Sonnenbrille!! Stuart und Jean-Marie haben offensichtlich eine Menge Spaß an meinem Anblick und meinten ich könnte glatt behaupten einen Verkehrsunfall gehabt zu haben, würd mir jeder glauben… danke! Und NEIN, ich werde davon keine Fotos zeigen! :-P


28.07.2011, 10:00   ---   Von der Stadt in den Dschungel

Phnom Penh ist die kleine niedliche Hauptstadt Kambodschas, für Stuart ging es von dort aus zurück nach Hause und ich war nach 2 Wochen zum ersten Mal wieder allein unterwegs. Phnom Penh hat alles was man in einer Stadt erwartet, ist aber gleichzeitig noch klein genug um überall hin laufen zu können (auch wenn die Tuk-Tuks durchaus verlockend sind und dann gelegentlich die Faulheit siegt ;-) ), es wimmelt von Franzosen und auf den Straßen sind ungewohnt viele (und vor allem große und teure) Autos unterwegs. Als allererstes bin ich aufgebrochen zur Botschaft von Myanmar (Burma) um ein Visum zu beantragen, aber da sagte man mir doch tatsächlich das würde 2 Wochen dauern und es gäbe auch keine Möglichkeit das in irgendeiner Weise zu beschleunigen!! Das kann doch kaum so lange dauern… scheint wohl mal wieder nen neuer Versuch zu sein um Ausländer aus dem Land fern zu halten. So lange konnte ich jedenfalls leider nicht warten, da in der Zwischenzeit mein Visum für Kambodscha ablaufen würde. So blieb mir nichts anderes übrig als es auf einen neuen Versuch in Bangkok ankommen zu lassen und nun erstmal Phnom Penh zu erkunden. Ich habe mich in aller Gründlichkeit durch die Märkte gehandelt, habe mich mit einer Bekannten von meinem Trekking-Trip in Thailand getroffen und natürlich ein wenig Sightseeing gemacht. Der Royal Palace mit seiner Silver Pagoda erschien mir wie eine Miniaturausgabe des Royal Palace in Bangkok. War zwar ganz schön, aber nicht überwältigend und ganz sicher nicht den überteuerten Eintritt wert.
Unglaublich ergreifend dagegen waren die beiden Gedenkstätten aus der Zeit der grausamen Khmer Rouge Herrschaft – das S21-Gefängnis und die Killing Fields. S21 oder auch Tuol Sleng war ursprünglich eine Schule, wurde von den Khmer Rouge zu einem Foltergefängnis für politische Gefangene umfunktioniert und ist heute ein Museum, das mit Unmengen von Fotos die Grausamkeiten schildert. Die Killing Fields in Choeung Ek, ca. 10km außerhalb der Stadt, dienten als reines Vernichtungslager. Auf grausamste Weise wurden allein an diesem einen Ort etwa 17.000 Menschen getötet und in Massengräbern verscharrt. Die meisten menschlichen Knochenreste wurden mittlerweile geborgen und in der eigens dafür erbauten Gedächtnis-Stupa aufbewahrt. Aber wenn man so zwischen den ausgehobenen Gräbern hindurch läuft sieht man immer noch hier und da Knochen aus dem Boden ragen. Insgesamt kamen bei dem Völkermord der Khmer Rouge schätzungsweise 1,7 Mio Menschen ums Leben. Das alles erinnert sehr stark an die Deutsche Geschichte, nur eben wesentlich jünger, das Ganze ist mal gerade 30 Jahre her…

Als nächstes habe ich einen Abstecher ins etwas abgelegene Sen Monorom in der Provinz Mondulkiri (dt. Das Treffen der Berge) gemacht. Dort habe ich mich zusammen mit 4 französischen Geschwistern auf einen Dschungel-Trek begeben. Hochmotiviert sind wir morgens gestartet bis der Dschungel sich als eher durchschnittlich beeindruckend herausstellte und es dann auch noch anfing zu regnen. Hong, unser Guide, prophezeite der sei in einer Stunde vorbei und wo wir nun eh nass wurden nutzen wir die Zeit um an einem Wasserfall zu schwimmen. Eine Stunde später war der Regen natürlich nicht vorbei und wurde auch eher stärker als schwächer. So blieb uns nichts anderes übrig als weiter zu gehen, denn wir mussten ja auch irgendwann mal am Ziel ankommen. Der Regen hatte logischerweise den Weg komplett aufgeweicht und während wir mit dem matschigen und rutschigen Boden kämpften sammelte Hong munter nebenbei Blumen und Gewürze für unser Abendessen.
Kurz vor Sonnenuntergang kamen wir endlich müde und durchnässt an unserem Ziel an: Ein winziges Dorf der ethnischen Minderheit der Phnongs, wo wir die Nacht bei der Familie unseres Guides verbringen durften. Wir hatten vorher keinen Schimmer was uns erwarten würde und es wurde zu einer einzigartigen Erfahrung in einer völlig anderen Welt! Strom, fließendes Wasser und Toilette sind absolute Fehlanzeige und geduscht wird in einen Sarong gewickelt und unter den neugierigen Augen der Dorfbewohner am Dorfbrunnen (die einzige Wasserquelle für das gesamte Dorf). Hong, seine Frau und die 5 Kinder leben in einem kleinen, traditionellen Haus zusammen mit Hunden, Katzen, Hühnern und Ferkeln und gekocht wird in Bambusrohren am offenen Feuer auf dem Boden. Nach dem Essen gab es Reiswein (nicht unbedingt lecker, aber wärmt von innen) und dann fielen wir auch schon todmüde in unsere Hängematten. Das klingt bequemer als es tatsächlich ist, nachts rannte eine Ziege durchs Haus und ich wurde regelmäßig von dem Ferkel unter meiner Hängematte wachgegrunzt – erholsamer Schlaf ist sicherlich etwas anderes aber es war auf jeden Fall eine Erfahrung wert!

Am nächsten Tag ging es zurück nach Sen Monorom, von dort für einen weiteren Tag nach Phnom Penh und nun sitze ich im Bus nach Bangkok. Mein Sonnenbrand ist zwar nach wie vor am pellen (ich weiß nicht wie viele Hautschichten ich mittlerweile schon abgeworfen habe), aber sieht schon nicht mehr so furchtbar aus. Er neigt sich offensichtlich langsam dem Ende und ich bin nun so kreidebleich wie nach einem deutschen Winter. :-(

   

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