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V I E T N A M

20.06.2011, 12:00   ---   Chaotisch, patriotisch, bunt

Wow, was für ein Kontrast!! Vietnam ist so völlig anders als Laos… es ist nicht annähernd ruhig und relaxt, sondern eher hektisch und rasant. Der Straßenverkehr ist das reinste Chaos und Verkehrschilder (insbesondere Verbotsschilder) scheinen nicht von Bedeutung zu sein, das ist wohl eher eine Art Straßen-Dekoration. Insgesamt ist alles kunterbunt, jede Menge vietnamesische Flaggen und vieles ist optisch noch stark von der ehemaligen chinesischen Herrschaft geprägt. Ich habe noch nie so viele Menschen mit Mundschutz umherlaufen gesehen und besonders fotogen sind all die kegelförmigen Strohhüte. Die werden von den Vietnamesen nämlich nicht nur bei der Arbeit auf den Reisfeldern, sondern auch zum Einkaufen, beim Sonntagsausflug etc. getragen. Und die Vietnamesen… tja, vor denen hatten mich ja so viele Menschen gewarnt! Unfreundlich, kein Lächeln und ziehen einen nur über den Tisch – Alles Quatsch!! Zugegeben, sie sind nicht so permanent lächelnd und übermäßig freundlich wie zum Beispiel die Thais, wobei ich es dort auch manchmal als ziemlich aufgesetzt empfunden habe. Die Vietnamesen sind da anders, eher natürlich und authentisch und dabei auch durchaus in normalem Maße freundlich und hilfsbereit. Und wenn man dann noch ein „Cȧm ơn“ (Danke) über die Lippen bekommt hat man schon gewonnen. Etwas lästig sind gelegentlich die ganzen Taxis, Cyclos (Fahrrad-Taxis), Motos (Motorrad-Taxis), Ladenbesitzer, Straßenhändler und und und, die einem permanent anquatschen, aber sie sind bei weitem nicht so ätzend und penetrant wie in Ägypten, also alles halb so tragisch und über den Tisch gezogen hat mich auch noch niemand (oder einfach so geschickt, dass ich es nicht bemerkt habe). Vielleicht sollte man all die Vietnam-Kritiker mal zur Schock-Therapie nach Ägypten schicken, dann werden sie ihre Meinung ganz schnell ändern!! :-D Ich jedenfalls liebe dieses lebhafte, authentische Land jetzt schon!

Die ersten Tage habe ich in Hué verbracht, einer netten kleinen Stadt am Perfume River. Dort bin ich in einem traditionellen Drachenboot bei brennender Hitze und leider nur minimalstem Fahrtwind zur Thien Mu Pagoda, wo wir zufälllig gerade zur rechten Zeit ankamen um eine Essens-Zeremonie der Mönche zu beobachten, und zu verschiedenen königlichen Gräbern gefahren. Diese dienten früher auch gleichzeitig als deren Wohnsitz und sind landschaftlich teils echt wunderschön gelegen. Außerdem habe ich mich noch von einem Cyclo durch die Stadt radeln lassen und das Imperial Enclosure, den Wohn- und Regierungssitz früherer Herrscher,  innerhalb der Zitadelle besichtigt.

Als nächstes führte mich meine Reise ins traumhaft schöne Hoi An. Die altertümliche Stadt ist als Unesco Weltkulturerbe geschützt, es wimmelt nur so von Schneidern und Schustern, die ihre handgefertigten Waren anpreisen und mit dem Fahrrad ist man ruck zuck am Strand. Der ist leider ziemlich touristisch und zugebaut mit Resorts, aber immerhin mal wieder ein Strand! ;-)
Einen Morgen habe ich mir ein Motorrad-Taxi gemietet und bin ganz früh (für mich quasi mitten in der Nacht) nach My Son gefahren, eine altertümliche Stadt und Tempelanlage. Früh morgens ist es noch angenehm kühl und es sind noch keine Tourgruppen unterwegs. So konnte ich in aller Ruhe zwischen den überwachsenen Ruinen umherwandern und hatte sie quasi für mich allein – bis die erste Tourgruppe ankam: Eine unglaublich witzige vietnamesische Reisegruppe von jung bis alt, die unglaublich neugierig waren wo ich herkomme und wie mir Vietnam gefällt und unbedingt nen Haufen Fotos mit mir machen wollten, super witzige Menschen! :-D

In einem „Sleeper Bus“ ging es über Nacht weiter nach Nha Trang. Ich habe ja schon viele Nächte in Bussen verbracht, aber keine war bisher wie diese: In diesen Bussen hat man doch tatsächlich eine Liegefläche!! Gut, nicht sonderlich groß, aber man kann immerhin liegen, hab ich noch nie zuvor irgendwo gesehen. Allerdings ist es bei der vietnamesischen Fahrweise begleitet von permanentem Gehupe dennoch nicht so einfach wirklich zu schlafen…


25.06.2011, 23:30   ---   Touristen-Nester und mieses Wetter

Nha Trang sollte ja an einem der tollen vietnamesischen Strände liegen… Nunja, Sand und Wasser gab es reichlich, schattenspendende Palmen waren auch vorhanden, aber der ganze Ort war mega-touristisch, vollgestopft mit westlichen Restaurants und Bars und es blieb irgendwie nicht viel übrig was so typisch Vietnam ist – schade!
Einen Tag habe ich eine Bootstour zu den Inseln vor Nha Trang mitgemacht und war gefangen in der Touristen-Gute-Laune-Fabrik! Die Inseln waren nicht besonders sehenswert, die Fische hatten sich anscheinend schon vor all den Schnorchlern versteckt, der Guide war nicht so lustig wie er zu sein glaubte und all die vietnamesischen Touristen fanden es offensichtlich am aller spannendsten uns Ausländer zu beobachten und zu fotografieren. Aber zusammen mit meinen holländisch-englisch-türkisch-amerikanischen Leidensgenossen hab ich knallhart das gesamte Programm mit durchgezogen und sogar bei der „fantastischen“ Musikeinlage nicht ganz freiwillig voll mitgemacht. Letzter Programmpunkt war die „Floating Bar“. Jeder Ausländer hängt in einem Gummireifen im Meer, es gibt Wein und die Vietnamesen stehen logischerweise an der Reling und schießen munter Fotos. ;-)
Alles in allem hatten wir tatsächlich einen witzigen Tag, was aber einzig und allein an den super Leuten lag und nicht etwa an der Tour!
Na und irgendwas Positives findet so ein penetranter Optimist wie ich ja an jedem Ort… in Nha Trang war es ein echtes Deutsches Restaurant, eine winzig kleine Kaschemme wo tatsächlich alles von dem Deutschen Besitzer hausgemacht wird. Dort habe ich mir dann zur Feier meines 9. Monatstages Bratwurst und Kartoffelsalat gegönnt und der Tag war gerettet! :-)

Am nächsten Tag sollte es mit dem Bus weitergehen nach Dalat in den Central Highlands. Abends im Hotel hab ich dann aber zufällig Wing kennengelernt, ein Mitglied der Easy Riders (Eine Gruppe einheimischer Motorrad-Tourguides aus Dalat) und mit ihm zusammen ging es dann am nächsten Morgen auf in die Berge. Landschaftlich wunderschön, Wing wusste unglaublich viel über Land, Leute, Pflanzen usw. zu erzählen, wir haben oft an schönen Orten angehalten, ein Dorf einer ethnischen Minderheit besucht… einfach toll!
Weniger toll war dann allerdings das Wetter in Dalat! Es war eisig kalt (Okay, knappe 20°C, aber wenn man locker 35°C gewohnt ist, dann ist das eiskalt!), starker Wind und fast permanenter Regen! Da war an wandern nicht zu denken und so habe ich den nächsten Tag im Hotel verbracht, bin zwischen den Regenschauern nur kurz was Essen gegangen und habe den Ort relativ fluchtartig über Nacht wieder Richtung Wärme verlassen.

Ho Chi Minh City (ehemals Saigon, 1975 umbenannt zu Ehren des Revolutionärs und Landeshelden Ho Chi Minh) ist die größte Stadt Vietnams (ca. 8Mio Menschen), es gibt ca. 4Mio Motorräder, der Straßenverkehr ist dementsprechend chaotisch (das toppt ganz locker die bisherigen Orte) und das Überqueren von Straßen ist eine wahre Kunst! Aber Übung macht ja bekanntlich den Meister und ich habe gelernt, dass man einfach nur langsam und zielstrebig durch den Verkehr gehen muss und auf keinen Fall anhalten darf – die unzähligen Motorräder werden einen schon sehen und geschickt ausweichen, Vertrauen ist alles!! ;-) Nur auf Autos und Busse muss man etwas aufpassen, die sind da weniger flexibel.
Ansonsten ist HCMC enorm modern, hat schöne Parkanlagen und einen ungewohnt geordneten und unchaotischen Markt. Ich war im schockierenden War Remnants Museum, wo sehr schonungslos die brutalen Folter-Gefängnisse für politische Gefangene, der schreckliche Krieg und die noch immer präsenten Folgen dargestellt werden, dass einem ein kalter Schauer über den Rücken läuft.
Heute bin ich zu den Cu Chi Tunneln gefahren, ein Netzwerk aus über 200 km unterirdischer Tunnel, die von den Vietcong während des Krieges genutzt wurden. Einige Teile des Tunnels sind sogar zugänglich und sind (obwohl sie für die Besucher noch vergrößert wurden) unglaublich beengend und klaustrophobisch, gar nicht vorstellbar, dass die Truppen dort unten Wochen oder sogar Monate verbracht haben!!


02.07.2011, 20:00   ---   Das Beste kommt zum Schluss

Eines meiner letzten Ziele in Vietnam war das Mekong Delta. Als Ausgangspunkt dafür habe ich mir Can Tho ausgesucht und war doch im ersten Moment ganz schön baff. Irgendwie hatte ich eine gemütliche Kleinstadt erwartet und fand mich stattdessen in einer großen, geschäftigen Stadt wieder! Aber alles halb so wild, Can Tho liegt direkt am Mekong, hat eine gemütliche Uferpromenade und dort war abends noch ziemlich was los. Da habe ich dann Phung getroffen (bzw. sie hat mich gefunden und regelrecht verfolgt), eine ältere Vietnamesin, die sich mit ihrem kleinen Boot ein bisschen Geld verdient - eine Bootstour ins Delta wollte sie mit mir machen. Sie war mir vom ersten Moment an unglaublich sympathisch, nur das Englisch war ziemlich holprig. So kam flux die Schwester als Übersetzerin dazu und kurz darauf hatten wir uns auf einen Preis geeinigt und für den nächsten Morgen verabredet.

Zum Sonnenaufgang um 5:30 Uhr sollte es losgehen und während ich um die nächtliche Uhrzeit noch schlaftrunken zum Bootsanleger taumelte war die ganze Stadt schon auf den Beinen und hatte sich in Schlafanzügen (so sah es jedenfalls aus) an der Promenade zum gemeinsamen Frühsport getroffen. Phung war logischerweise auch schon hellwach, hatte das Boot startklar und winkte mir schon aus der Ferne zu – auf ging es! Vorbei an etlichen Stelzenhäusern am Flussufer und jeder Menge neugierig guckenden Einheimischen tuckerten wir zum schwimmenden Markt, der größte des Mekong Deltas. Dort wimmelt es nur so von Booten, Menschen und Unmengen an Obst und Gemüse, das eifrig von großen auf kleine und von dort auf noch kleinere Boote umgeladen wird. Es wird gehandelt, geladen, gerudert und dazwischen gibt es vereinzelt Boote die kühle Getränke oder auch Kaffee verkaufen. Mit unserem kleinen Boot konnten wir auch direkt mitten rein ins Getümmel, anstatt wie das große Touri-Boot nur am Rande vorbeizuziehen. Ganz nebenbei, als wenn das Boot sich von allein steuern würde bastelte Phung mir jede Menge tolle Dinge aus Palmenblättern, pflückte Blumen und Früchte von den Bäumen, brachte mir noch ein bisschen mehr Vietnamesisch bei und versuchte mir mit ihren paar Englisch-Brocken noch allerhand zu erklären was da so alles vor sich geht – mit ihr hatte ich nen echten Glücksgriff gelandet!
Wir sind noch ein ganzes Stück weiter ins Delta rein gefahren, hab noch einen weiteren schwimmenden Markt besucht und dann durch etliche kleine Kanäle (wie ein Labyrinth schlängelt sich der Mekong durch die Landschaft) wieder zurück Richtung Can Tho. Am frühen Nachmittag waren wir zurück von diesem absolut grandiosen Tag mit all seinen wunderbaren Eindrücken und ich war hundemüde!

Die 2 Wochen in Vietnam waren verdammt anstrengend, was nicht unbedingt an dem Land selbst, sondern viel mehr an meinem derzeitigen Reisetempo lag. Nachdem ich nun aber glücklicherweise einige wichtige Dinge von dort aus regeln konnte, anstatt damit bis Bangkok zu warten ist nun endlich wieder etwas mehr Ruhe angesagt. Und um mich noch ein wenig zu erholen und Energie zu tanken sollte es noch für ein paar Tage auf die Insel gehen – Phu Quoc.

Was soll ich sagen… es ist ein Traum aus Entspannung und Ruhe! Ich wohne in einem Bungalow nur wenige Meter vom Strand entfernt und habe die letzten Tage einfach nichts gemacht. In der Sonne gelegen, viel gelesen, Massage am Strand genossen, spazieren gegangen… Nun gut, 2 Tage lang hat es irre viel geregnet, aber selbst das war entspannend, ein Grund mehr nur zu lesen oder einfach zu schlafen! ;-)
Erst heute bin ich zum ersten Mal wieder ein wenig aktiv gewesen. Ich habe mir einen Roller geliehen um ein wenig die Insel zu erkunden und war an einem traumhaft schönen Strand! Mittlerweile bin ich wieder tiptop ausgeruht und morgen muss ich dann auch zwangsläufig abreisen. Mein Visum läuft ab und es geht weiter nach Kambodscha.

   

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